Der Titel dieses Blogs spielt natürlich auf das berühmte Magazin "Cahiers Du Cinema" (Notizen zum Kino) an, dessen Filmkritiker Francois Truffaut und Claude Chabrol später Regisseure und Wegbereiter eines neuen französischen Kinos wurden.
Dennoch ist dies kein arthouse Blog. Es ist ein Blog über die Liebe zum Film. Gute Filme. Und sehr schlechte. Egal woher sie stammen. Egal wie sie zu klassifizieren sind.

Freitag, 5. August 2022

“MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN “THE BURBS” (1989)








Immer wieder gerne empfehle ich diesen schwarzhumorigen und wahnsinnig unterhaltsamen, liebevoll gemachten 80iger Jahre-Klassiker mit Starbesetzung und satirischen Untertönen, der uns einen jungen Tom Hanks in Hochform und den großen, kleingewachsenen Schauspieler Henry Gibson in seiner herrlichsten Rollen zeigt…



Erwachsene Ferienbande....







RAY PETERSON: [Sprechchor] Das höre ich mir nicht an, das höre ich mir jetzt nicht an.


ART: Ray! Ray! Du singst im Chor! [zeigt auf das Buch] Ray. Ray, sieh mal Ray, unbewusster Sprechgesang! Du singst!


RAY PETERSON: [singt weiter mit Fingern in den Ohren]


ART: (nickt) „Ich will alle töten. Satan ist gut. Satan ist unser Kumpel.“ Ray. Ray, du rezitierst! Hey, wenn sie


(zeigt auf das Buch)


ART: hier rein kommen...


[deutet auf Rays Kopf]


ART: ...ist es vorbei, Kumpel.

 







Sommer 1989:

In der Karikatur einer amerikanischen Spießbürgervorstadt (Suburb) zeigen sich – ausgerechnet in der langersehnten Urlaubswoche von Ray Peterson (Tom Hanks) - möglicherweise monströse Risse in der heilen Welt….neue, mysteriöse Nachbarn, die Klopeks ziehen hinzu. Aus deren Keller dringen des Nachts Blitze, und einer der einfältigen Söhne vergräbt nachts heimlich etwas ziemlich Großes im Garten.



Unternehmen Entebbe im Vorstädtchen



Ray, sein Freund, der umtriebige Art Weingartner (der kanadische Comedy-Star Rick Docummon), der pensionierte Soldat Lt. Mark Rumsfield (großartig selbstironisch Bruce Dern), nebst Frau und Hund, und der Teenager Ricky Butler (Corey Feldman), dessen Eltern im Urlaub sind, werden hellhörig und steigern sich in reinste Paranoia nachdem Nachbar Walter über Nacht (Walters Zwergpudel Queenie wurde von demselben Hund gespielt, der auch den Pudel Precious in Das Schweigen der Lämmer (1991) spielte) spurlos vom Erdboden verschwunden ist….als Walters Hund einen Knochen ausgräbt scheint sie wahr zu werden – ein Teil von Walter?

Übermannt von Neugier, und ohne auf die Warnungen von Rays Ehefrau (Carrie „Prinzessin Leia“ Fisher) zu hören, brechen die selbsternannten Nachbarschaftsermittler in Walters Haus ein…und finden…..sein verwaistes Toupet!

Jetzt endgültig überzeugt von einem Verbrechen, beginnen die vier (5 mit Hund) zu ermitteln, um die Klopeks als Serienmörder, oder gar, wie Art mutmaßt, verkappte Satanisten, die ihre Opfer im Keller braten, zu überführen. Aber wer sind die eigentlichen Wahnsinnigen? Die durchgedrehten Normal-Spießer oder doch die „teuflischen Nachbarn“?

Und was hat es mit dem geheimnisvollen Dr. Werner Klopek (famos ambivalent: Henry Gibson) auf sich….?




Großer Nebendarsteller:  Henry Gibson.






Dieser absolut hinreißende, enorm unterhaltsame Spaß, der vor ausgelassener sommerlicher Ferienstimmung sprüht, und zugleich eine beißende Satire über den Mikrokosmos „amerikanische Vorstadt“ darstellt, hat alle Ingredienzien einer erfolgreichen 80-iger Jahre Komödie:

Ein köstliches, bis zum Schluss überraschendes Drehbuch von Dana Olsen, dass die Unschuld klassischer 50er-jahre Vorstadtkomödien (man glaubt ständig Rock Hudson mit der Day um die Ecke biegen zu sehen) mit der prallen 80-iger-essen-wir –Big-Mac- und trinken-ne-Coke-Steven-Spielberg-Stimmung verbindet und aufs köstliche Elemente des klassischen Horrorfilms dabei paraphrasiert; die Slapstick-sichere Regie von Joe Dante („Gremlins“) und einen bestechender Soundtrack „a la Americana“ von keinem Geringeren als Jerry Goldsmith; alles stilsicher zusammengeführt von Produzent Ron Howard.

Zwar stimmt es, dass dieser Film durchaus unausgegoren ist, die Feriensequenzen, überdrehte Gruselhandlung a la “Fenster zum Hof” und Rays surreale Alpträume die das Horrorkino der 80iger plündern - das alles fügt sich nicht so recht zu einem homogenen Ganzen, und ja, die satirischen Untertöne sind letztlich nicht radikal genug und nicht konsequent genug um zu voller Wirkung zu zünden; aber die Message über die gar-nicht-so-harmlosen Abgründe hinter der scheinbar so harmlosen Spießeridylle funktioniert dennoch blendend, die Ferienstimmung springt voll über und gerade die Unausgegorenheit macht den Streifen so abwechslungsreich, dass der Unterhaltungswert durch die Decke geht.

“The Burbs” zeigt uns eine Vorstadthölle, deren biedere Konformität keinen Platz für Außenseiter hat, und in der die Ungeheuer, in the final analysis of things, biedere Weiße Vorstädter sind, in deren abgründigen Gemütern jemand, der anders ist und andere Wurzeln hat, oder seinen Rasen nicht mit der Bartschere trimmt, selbstverständlich gleich ein Serienmörder sein muss.



Ist das Walter  ?



RICKY BUTLER: Haben Sie jemals den Film "Der Wächter" gesehen, Mr. Peterson? Da geht es um den alten Mann, dem die Wohnung gehört, die so etwas wie das Tor zur Hölle ist?

RAY PETERSON: Nein, ich... Das habe ich nicht gesehen.

RICKY BUTLER: Oh, nun, ich habe etwas nachgedacht. Und da ihr letztes Haus abgebrannt ist, könnte es sein, dass... jemand das Tor offen gelassen hat.

 

(ein Generator springt im Keller der Klopeks an)

 

ART WEINGARTNER: Das sind sie. Sie bewegen sich wieder. Weißt du... es war eine Nacht wie diese, in der es passiert ist.

RICKY BUTLER: Was ist passiert, Mr. Weingartner?

ART WEINGARTNER: Oh, das ist schon lange her, Ricky. Hinkley Hills war damals viel kleiner... und auch sicherer! Man musste nie seine Türen abschließen. Jeder kannte jeden. Ich muss etwa neun bis zehn Jahre alt gewesen sein. Weißt du, wo das große Einkaufszentrum ist?

RICKY BUTLER: Ja.

ART WEINGARTNER: Na ja, an der Ecke war früher eine große Drogerie, mit einem großen Sodabrunnen, weißt du noch?

RAY PETERSON: Ja.

ART WEINGARTNER: Ja, und der Kerl, der sie betrieb, war ein - ein rundlicher Kerl mit Brille. Sein Name war Skip. Er wohnte drüben in der Elm Street, hatte eine Frau und ein paar Kinder, wissen Sie? Nicht sehr schlau, ich meine, hey, der Typ ist 40 Jahre alt, er trägt einen Papierhut und macht Cherry Cokes, es ist ein Kinderspiel rauszufinden, warum er nicht als Gouverneur kandidiert, oder?

 

[Ricky lacht]

 

Art und seine Schauergeschichten...


ART WEINGARTNER: Wie auch immer, es wurde heiß in diesem Sommer, ich erinnere mich, dass es RICHTIG heiß wurde. Es war brütend heiß. Du weißt schon, diese Hitze, bei der man in der Unterwäsche schwitzt und sie einem die... wie auch immer, es war heiß, okay? Und sie fangen an... sie fangen an, diesen... diesen wirklich widerlichen Gestank drüben in der Elm zu riechen, und sie denken, er kommt aus Skips Wohnung. Und niemand will etwas sagen, ich meine, was soll man machen, an die Tür des Typen klopfen und sagen: "Hi, dein Haus stinkt"? Die Leute versuchen also, es zu ignorieren. Sie versuchen so zu tun, als würde es nicht passieren. Und kennst Du diese Kieferdinger? Sie versuchen, es mit diesen Tannenzweigen zu vertuschen, die man ins Auto stellen kann. Die Leute hängen sie auf ihre Veranden.

 

(Ricky lacht)

 

ART WEINGARTNER: Oh, du findest das witzig, Rick?

RICKY BUTLER: Nun, ja.

ART WEINGARTNER: Nun ja - ich erzähle Dir, was dann passierte, OK. Der staatliche Gesundheitsinspektor taucht auf. Sie gehen hin, sprechen mit Skip, er sagt, er habe ein Problem mit der Sumpfpumpe. Sie gehen wieder. Hey, der Typ hat ein Problem mit dem Abwasserkanal, er sagt, er kümmert sich darum, alles ist in Ordnung, richtig?

RICKY BUTLER: Richtig.

ART WEINGARTNER: Falsch. Ein paar Stunden später strömt Rauch aus den Fenstern von Skips Haus. Die Feuerwehrleute tauchen auf und gehen in Skips Haus. Wisst ihr, was sie vorfinden?

RICKY BUTLER:  Was?

ART WEINGARTNER: Skips Familie, tot. Ermordet... von Skip... Wochen zuvor... mit einem Eispickel. Ja, der Kerl hat seine eigene Familie mit einem Eispickel umgebracht. Ja... ja, er hat sie einfach in den kühlen Keller gebracht, sie mit einem Laken zugedeckt und ist wieder daran gegangen, Eiscreme für die Stadtbewohner zu machen. Die einzige Sache... Skip hatte nicht mit einer großen Hitzewelle im Sommer gerechnet. Weißt du, was das war, was die Leute auf der Elm gerochen haben, Ricky?

RICKY BUTLER: Was war das?

ART WEINGARTNER: Die Leichen von Skips Familie, die in der Sommerhitze verwest sind.

 

[Ricky pfeift]

 

ART WEINGARTNER:  Ja, anscheinend hat Skip eines Tages einfach zu viele Zitronenphosphate gegessen,

(schnippt mit den Fingern)

ART WEINGARTNER: El snappo!

 



A- Team der Vorstadt: Rick Ducommun, Corey Feldman, Tom Hanks und Bruce Dern.




Um ein PG-Zertifikat zu erhalten, wurden die britischen Kino- und Videoversionen übrigens um 26 Sekunden gekürzt, um einige der Ausschnitte zu entfernen, die Ray sieht, wenn er fernsieht. Vor allem Szenen aus „Vier im rasenden Sarg“ (1975), „Der Exorzist“ (1973) und „The Texas Chainsaw Massacre 2“ (1986) (die beiden letztgenannten Filme waren damals in Großbritannien verboten). Die Kürzungen wurden 2004 wiederhergestellt und das Zertifikat auf "12" angehoben.



“Meine Teuflischen Nachbarn” wurde ungewöhnlicherweise in chronologischer Reihenfolge gedreht und fiel in die Zeit des Autorenstreiks von 1988. Der Film wurde in aller Eile produziert, um einem Streik der Writers Guild of America (WGA) zuvorzukommen. Die Hauptaufnahmen begannen am 19. Mai 1988, dem Tag, an dem der Streik in Kraft trat. Obwohl Dana Olsen, der Drehbuchautor, in dem Film mitwirkte, war es ihm untersagt, während der Dreharbeiten etwas zum Drehbuch beizutragen. Aus diesem Grund ermutigte Joe Dante die Schauspieler, viele Szenen zu improvisieren. Ein Beispiel ist der Moment, in dem Rumsfield die Tapete der Klopeks zerreißt, eine Idee von Bruce Dern. Rick Ducommun improvisierte viele seiner Zeilen, darunter den Dialog "Satan ist gut, Satan ist unser Kumpel". Tom Hanks und Carrie Fisher hatten die Idee, zu Hause Jeopardy! (1984) zu spielen. Und Tom Hanks improvisierte die Szene, in der er die Trage aufhebt und sich selbst in den Krankenwagen legt.



Wendy Schaal ganz ohne.....äh.... Schal.




Die Zeile, die Corey Feldman am Ende des Films sagt, stand nicht ebenfalls im Originaldrehbuch. Regisseur Joe Dante kam auf die Zeile "Gott, ich liebe diese Straße" während der Nachdrehs, nachdem der Autorenstreik beendet war und die letzten zwanzig Minuten des Films komplett neu gedreht werden mussten und Feldmans Figur praktisch eliminiert wurde. Dante teilte ihm die Nachricht mit und sagte ihm, er solle die Zeile sagen und es würde schon klappen. Feldman gibt heute zu, dass "Dante Recht hatte", denn es ist der Satz, den seine Fans und die Fans des Films ihm gegenüber erwähnen, wenn sie ihn sehen.

Die Straße der Petersons wurde auf dem Hinterhof von Universal aufgebaut. Sie wurde für viele Filme und Fernsehsendungen genutzt, darunter Desperate Housewives (2004). Einige der Gebäude haben sich im Laufe der Zeit verändert, aber Walters Haus ist das einzige Gebäude auf dem Grundstück, das sich überhaupt nicht verändert hat. Und ich fresse einen Besen - hochkant - wenn das Haus der Familie Klopek nicht stark dem originale Boon Radley-Haus aus Universals “Wer die Nachtigall stört” von 1962 ähnelt.



Viele Kritiker mögen den (bis in die Filmmusik hinein) mit filmischen Anspielungen gespickten Film, trotz seines mittlerweile erlangten Kultstatus, nicht, weil sie ihn eben für durchwachsen halten – I respectfully dissent:

Für mich ist er einfach ein traumhaft besetztes , schwarzhumoriges Riesenvergnügen, ein Film der sofort gute Stimmung macht und Urlaubsfeeling erzeugt, sogar im tiefsten Winter.

Allein schon bei Tom Hanks surrealen Alptraumsequenzen liege ich brüllend auf dem Boden….



Das ist ein Traum, richtig?





Beliebter Ferienspaß: Grillen im eigenen Höllenloch



Er ist, im Grunde, die überdrehte Comedy-Version des brillanteren „Summer of ´84“ , oder, wenn man so will, das Fotonegativ zu “Deliverance- beim Sterben ist jede de Este”, nur lauert de Abgrund diesmal nicht in den Outbacks, sonden in einem wohlgeordneten amerikanischen Vorstädtchen, und diesmal sind die Hinterwäldler die Außenseiter....






RAY PETERSON: Weißt du noch, was du über Leute in den Vororten gesagt hast, Art, Leute wie Skip, Leute, die ihren Rasen zum 800sten Mal mähen und dann SNAP? NUN, DAS SIND WIR. DAS SIND NICHT SIE, DAS SIND WIR. WIR sind diejenigen, die über die Zäune klettern und durch die Fenster der Leute spähen. Wir sind diejenigen, die den Müll auf die Straße werfen und Feuer anzünden. WIR SIND DIEJENIGEN, DIE SICH VERDÄCHTIG UND PARANOID VERHALTEN, ART. WIR SIND DIE VERRÜCKTEN. WIR. SIE SIND ES NICHT. Wir sind es.

 

ART WEINGARTNER: [nach einer Pause] Ich weiß nicht, was ich sagen soll... Was-…..soll ich umziehen??

 

[Ray stürmt auf ihn zu]






Invasion der  Spießer





SPOILER:



Es wurden drei Enden des Films gedreht. Das erste ist das, das in der normalen Veröffentlichung des Films sowohl im In- als auch im Ausland zu sehen ist.


Das zweite, das als "alternatives Ende" auf der DVD-Version verfügbar ist, folgt dem Weg des ersten, ist aber etwas anders und enthält nicht die Sequenz, in der der Krankenwagen in das Haus kracht, oder den Teil, in dem Mark Rumsfield auf Hans Klopek losgeht. Dafür gibt es ein paar weitere Szenen: Hans wird von der Polizei verhört, Dr. Werner Klopek hält vor der Polizei eine Rede über die Missstände in der Vorstadt und Ruben sagt zu Ray, dass er es genießen würde, ihn zu ihrem letzten Abendessen einzuladen.


Das dritte (und pessimistischste) Ende, das in keiner Form offiziell veröffentlicht wurde, sieht vor, dass Ray im Krankenwagen von Werner getötet wird, die Klopeks für unschuldig erklärt werden und Müllsäcke gefesselt und geknebelt im Kofferraum des Klopek-Autos gefunden werden. Das letzte Ende entspricht dem ursprünglichen Ende des Drehbuchs.

Samstag, 25. Juni 2022

„DER ROSAROTE PANTHER (1963)“ – EIN FILM WIE EIN GLAS CHAMPAGNER!














Da mittlerweile Viele nur noch die grauenerregend schlechten Remakes mit Steve Martin kennen, liegt mir dieser Tipp besonders am Herzen. Sagen wir, ich fühle mich verpflichtet eine Lanze für das hinreißende Original zu brechen…



 



EDELSTEINHÄNDLER 1: Wie jeder Stein dieser Größe hat auch dieser einen Makel.

SULTAN: Ein Makel?

EDELSTEINHÄNDLER 2: Der kleinste Makel, Eure Exzellenz.

EDELSTEINHÄNDLER 1: Wenn Sie tief in den Stein hineinschauen, werden Sie eine winzige Verfärbung erkennen. Sie ähnelt einem Tier.

SULTAN: Einem Tier?

EDELSTEINHÄNDLER 1: Ein kleiner Panther.

SULTAN: Ja! Ein rosaroter Panther. Komm her, Dala. Ein Geschenk an deinen Vater von seinem dankbaren Volk. Eines Tages wird er dir gehören. Der schönste Diamant auf der ganzen Welt. Komm näher.


 






DER PLOT:




Der raffinierte Gentleman-Einbrecher (cat burglar) Sir Charles Lytton (Sir David Niven), das mysteriöse "Phantom" das die Polizei schon lange sucht, hat es auf einen unbezahlbaren Diamanten namens "der rosarote Panther" abgesehen, der sich im Besitz der bezaubernden indischen Prinzessin Dala (Claudia Cardinale) befindet.

Die Prinzessin weilt im Moment mondän im romantisch verschneiten Luxus-Skiort Cortina D'Ampezzo in Italien, wo sie ihren Urlaub verbringt.




Sir Charles Lytton (David Niven) mit einem blutjungen Jonathan Hart auf Eroberungskurs



Der charmsprühend-weltmännische Lytton folgt ihr dorthin, einen raffinierten Plan im Gepäck, aber es gibt zwei Dinge die er nicht weiss: Erstens, sein nichtsnutziger Neffe (Robert Wagner), der wiederum nichts von der Verbrecherlaufbahn des Onkels weiss, und selbst vor Gaunern fliehen musste, ist auch auf dem Weg dorthin- und, zweitens der tragikomische, tapsige Inspecteur Jacques Clouseau (grandios: Peter Sellers) hat bereits die Spur aufgenommen und reist ebenfalls an.


Was Clouseau wiederum nicht weiss: Seine wunderschöne Ehefrau Simone (Cappucine) ist in Wirklichkeit die Geliebte des Phantoms....



Touristen im Wintersport-Ort: Phantom, Prinzessin, Inspektor...






INSPEKTOR JACQUES CLOUSEAU: Ich bin bereit, mit Ihnen um zehntausend Francs zu wetten, dass das Phantom in diesem Augenblick in Cortina ist. Vielleicht sogar in diesem Zimmer.

SIMONE CLOUSEAU: Wie aufregend. Was meinen Sie, Mr. Tucker?

TUCKER: Oh, ich stimme dem Inspektor zu. Sehen Sie, zehn seiner letzten fünfzehn Opfer waren Gäste auf Angela Dunnings Partys.

SIR CHARLES LYTTON: Worüber reden wir hier eigentlich?

SIMONE CLOUSEAU: Das berüchtigte Phantom.

PRINZESSIN DALA: Ich fürchte, ich habe noch nie von ihm gehört.

SIR CHARLES LYTTON: Nach dem Wenigen, was ich über ihn gelesen habe, scheint er ein ganz schönes Früchtchen zu sein.

INSPEKTOR JACQUES CLOUSEAU: Das können Sie mir glauben. Es gibt nur wenige Diebe, die so clever sind wie das Phantom. Jeder Diebstahl ist völlig anders und einzigartig, klassisch in seiner Konzeption.

GEORGE LYTTON: Ich dachte, Sie arbeiten mit der Theorie, dass er sich wiederholt.

INSPEKTOR JACQUES CLOUSEAU: Nun, nur was die Partys von Angela Dunning betrifft. Es gibt jedoch noch eine weitere Wiederholung, aber das ist sein ah... Markenzeichen, seine Visitenkarte sozusagen. Er hinterlässt immer einen weißen Handschuh mit Monogramm.

PRINZESSIN DALA: Das klingt furchtbar theatralisch.





Clouseau wäre gern ein eiskalter Greifer - leider hat der liebenswerte Tropf den Feind im Bett




Und so nehmen im noblen Wintersportort unvermeidliche groteske Verwicklungen ihren Lauf, die immer verrückter (und amüsanter) werden, mit jugendlichen Liebhabern die sich in Schaumbädern verstecken, Ski-Verfolgungsjagden im Schnee, Gentleman-Einbrechern die durch Hotelflure schleichen und Champagnerflaschen die im Bett explodieren,  bis sie, nach einer Entführung, einer Kostüm-Party mit zwei Gorillas, und dem komischsten Kreisverkehr der Filmgeschichte letztlich in einem Finale furioso gipfeln.



Wer plätschert da in meinem Bade ?






SIMONE CLOUSEAU: Jacques würde einen wunderbaren Vater abgeben. Er hat viele gute Eigenschaften, weißt Du.

SIR CHARLES LYTTON: Nenn eine.

SIMONE CLOUSEAU: Oh, er ist gütig, loyal, treu, gehorsam.

SIR CHARLES LYTTON:  Du bist entweder mit einem Pfadfinder oder einem Dachshund verheiratet.

SIMONE CLOUSEAU: Und er betet mich an.

SIR CHARLES LYTTON: Damit scheiden die Pfadfinder aus.







David Niven und Cappucine



Verfolgungsjagd für die Ewigkeit: Drei "Affen" und ein Kreisel





Blake Edwards' (zusammen mit dem oscarprämierten „Bettgeflüster“-Autor Maurice Richlin auch Drehbuch) großartige Mischung aus auf den Punkt perfekt getimter, eleganter Hotel- und schlitzohriger Krimikomödie, die mit hohen production values punkten kann, sprüht vor Witz, Eleganz, Stil, wohltemperiertem Wortwitz, ist voller Schwung, und garniert mit genau der richtigen Dosis physical comedy.



Der atemberaubende Schauplatz, in den italienischen, winterlichen Dolomiten, eingefangen in flirrenden Swinging-Sixties-Bildern, tut ein Übriges.


ö

Kardinaler Spaß: Claudia Cardinale im Schnee




Zeugen der Entführung: David Niven und La cardinale


Der Film wurde in Cortina d'Ampezzo, Rom und Rocca di Papa, Paris, Frankreich, und Los Angeles, USA, im Technirama-Verfahren gedreht. Die Verfolgungsszene auf der Piazza (gedreht auf der Piazza della Repubblica in Rocca di Papa) ist eine direkte Hommage an eine ähnliche Sequenz bei Minute 26 von Alfred Hitchcocks  „Der Auslandskorrespondent“ (1940).



Selten waren die 60iger so köstlich, charmant und beizeiten sogar auf subtile Weise sexy....das filmische Pendant zu einem prickelnden Glas Sekt!








SIR CHARLES LYTTON: Trinken Sie nicht?

PRINZESSIN DALA: Ich trinke nicht.

SIR CHARLES LYTTON: Niemals?

PRINZESSIN DALA: Ich begnüge mich mit der Realität. Ich habe kein Bedürfnis zu fliehen.

SIR CHARLES LYTTON: Nun, ich genieße die Realität genauso wie jeder andere. Nur gehört in meinem Fall glücklicherweise zur Realität ab und zu starker Drink. Andererseits rauche ich nicht.

PRINZESSIN DALA: Stimmt, das ist eine üble Angewohnheit.

SIR CHARLES LYTTON: Auf all die üblen kleinen Angewohnheiten, die uns so wichtig sind.

 

(...)

 

PRINZESSIN DALA: (beschwipst vom Champagner) Ich war drei Jahre alt, als ich auf meinem ersten Elefanten ritt. Ich war sechs, als ich auf meine erste zsrafari... frazari... Wildtierjagd ging. Und ich war zehn, als ich meinen ersten Tiger erlegt habe. Aber ich werde nie mein liebes kleines Pony vergessen.

SIR CHARLES LYTTON: Wann haben Sie es erlegt?




Ein Schwätzchen in Ehren....





Herausragend die heute weltberühmte Filmmusik von Henry Mancini und der brillante, von den Trickfilmer-Genies David dePatie und Fritz Freleng gestaltete Zeichentrick-Vorspann, in dem der rosarote Panther (eigentlich ja ein Diamant) als Paulchen Panther zum ersten Mal lebendig wird.



In einer Szene in der Ski-Lodge singt Fran Jeffries das atmosphärische "Meglio stasera (It Had Better Be Tonight)", das damals zum Hit avancierte:









Ursprünglich war die Rolle des Inspektor Clouseau für Peter Ustinov vorgesehen, der kurz vor Beginn der Dreharbeiten absagte. Daraufhin wurde dem bis dahin international unbekannten Peter Sellers die Rolle angeboten, der für eine Gage von 90.000 Britischen Pfund zusagte.

Peter Sellers gelang mit seiner sensationellen Darstellung des tollpatschigen Clouseau, den er mit unermesslicher Würde zeichnet, der internationale Durchbruch. Entwickelt hatte er die Figur, samt Akzent und Schnauz, während des Flugs zum Drehort, wo er mit einer Spontandarbietung die Stewardessen verstörte...






Und wurde sie nicht mehr los.



Die FIGUR, nicht die…äh….Stewardessen.


In 5 Fortsetzungen spielte Sellers, nicht immer ganz freiwillig, bis 1978 den grotesken Mann mit dem Trenchcoat.








Ursprünglich war der Film als Vehikel für David Niven gedacht, was sich in seiner Star-Nennung widerspiegelte. Als Edwards den Film drehte und mehrere Takes mit improvisierten Szenen verwendete, wurde klar, dass Sellers, der ursprünglich als Nebendarsteller vorgesehen war, allen die Schau stahl (https://www.dailymotion.com/video/xqrtmw - Aus: The Life And Death of Peter Sellers, mit Geoffrey Rush als Sellers und John Lithgow als Edwards)


Dies führte dazu, dass er in allen Fortsetzungen des Films die Hauptrolle spielte. Als er bei einer späteren Oscar-Verleihung auftrat, bat Niven darum, dass die Musik für seinen Auftritt nicht mehr das "Pink Panther"-Thema sein sollte, denn "das war nicht wirklich mein Film".



Die deutsche Fernseh-Erstausstrahlung des Films war am 1. März 1975 um 20:15 Uhr im ZDF.




Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss - und wenn es in Rüstung ist!




Im Gefolge entstanden auch 124 Zeichentrick-Kurzfilme um Paulchen Panther, aus den Studios von DePatie und Freleng, von denen einer, "The Pink Phink", 1964 den Kurzfilm-Oscar gewann. (Komplett:








In Deutschland wurden die Cartoons in der Reihe "Der rosarote Panther" gezeigt, mit Erzähltertexten in Reimform, gesprochen von Gerd Günther Hoffmann (deutsche Stimme von Sean Connery und Rock Hudson















Mittwoch, 22. Juni 2022

Das Urteil von Nuernberg

 


„Das Urteil von Nürnberg (1961) (Judgment At Nuremberg) – Must See Klassiker!




Stab

Regie Stanley Kramer
Drehbuch Abby Mann
Produktion Stanley Kramer
Musik Ernest Gold
Kamera Ernest Laszlo
Schnitt Frederic Knudtson

Besetzung:
Spencer Tracy: Richter Dan Haywood
Burt Lancaster: Ernst Janning
Richard Widmark: Colonel Tad Lawson
Maximilian Schell: Hans Rolfe
Marlene Dietrich: Frau Berthold
Judy Garland: Irene Hoffman Wallner
Montgomery Clift: Rudolph Petersen
William Shatner: Captain Harrison Byers
Werner Klemperer: Emil Hahn
Torben Meyer: Werner Lampe
Martin Brandt: Friedrich Hofstetter
Kenneth MacKenna: Richter Norris
Ray Teal: Richter Ives
Joseph Bernard: Major Radnitz
Alan Baxter: Brig.Gen. Merrin
Edward Binns: Senator Burkette
Virginia Christine: Frau Halbestadt
Ben Wright: Herr Halbestadt
Howard Caine: Hugo Wallner
Karl Swenson: Anwalt Dr. Geuter
John Wengraf: Dr. Karl Wieck
Olga Fabian: Frau Elsa Lindow
Otto Waldis: Pohl, gefangener KZ-Leiter
Paul Busch: Chauffeur Schmidt
Bernard Kates: Max Perkins, Reporter





Für alle die den Film nicht kennen und die sich gegen rechts engagieren ist dieses für 11 Oscars nominierte, legendäre Gerichtsdrama mit Starbesetzung absolutes Pflichtprogramm – einer der besten Justizfilme der Filmgeschichte und ganz großes Schauspielerkino. Nach dem oscarprämierten Drehbuch von Abby Mann dramatisiert der wuchtige Film das Verfahren gegen die NS-Richter während der Nürnberger Prozesse.



1948:

Längst schon hat die internationale Öffentlichkeit das Interesse an einer Aufarbeitung der Nazidiktatur verloren, der kalte Krieg winkt. So kommt es, dass es der unbekannte, gemütliche Provinzrichter Dan Haywood (Spencer Tracy) ist, der berufen wird, den Vorsitz über den Prozess gegen die Nazi-Richter zu führen. 



Er reist in das zerstörte Nürnberg. Im Prozess sticht der ehemalige Weimarer-Jurist Ernst Janning (Burt Lancaster) der eisern schweigt, als Hauptangeklagter heraus. Trotz der erdrückenden Beweise die Chefankläger Colonel Lawson (Richard Widmark) liefert, erweist sich der Fall als schwieriger denn geplant.



Denn Jannings Pflichtverteidiger, der brillante junge Anwalt Hans Rolfe (Maximilian Schell) bringt nicht nur Gewißheiten und Schwarzweissdenken ins Wanken, nimmt andere verantwortliche Key Player für den Aufstieg der Nazis (Vatikan, US Industrie) in die Verantwortung, sondern zerfetzt die Aussagen von Schlüsselzeugen, wie dem von den Nazis zwangssterilisierten Rudolf Petersen (Montgomery Clift) und der vormals wegen Rassenschande verurteilten Irene Hoffmann-Wallner (Judy Garland).

Maximillian Schell und Richard Widmark 



Ist ein Schuldspruch überhaupt noch möglich? 

Montgomery Clift 


Und kann Offizierswitwe Frau Bertholt (Marlene Dietrich) Richter Haywood überzeugen, dass nicht alle Deutschen Monster sind?

Tracy und Marlene Dietrich


Alles kulminiert im Urteil eines einzigen Mannes, hängt ab vom Gewissen eines einzelnen, von allen unterschätzen Kleinstadt-Richters….

Die Antwort erhält der Zuschauer beinah drei hochspannende Stunden später nach einigen der besten Dialogduelle, Plädoyers und Reden, die die Kinogeschichte zu bieten hat. 


Der als sozial engagiert bekannte Regisseur Stanley Kramer („Flucht in Ketten“ und „Rat mal wer zum Essen kommt“ mit Sidney Poitier, sowie „Wer den Wind sät“ mit Spencer Tracy) gelang mit dem famos gespielten, explosiven Justizdrama ein wahrer Meilenstein.

Wie schon in dem Live-Fernsehspiel von 1959...


dessen Kino-Remake der Spielfilm ist, ist einer der gewagten (und grausigen) Höhepunkte die Stelle an der echte Aufnahmen von der Befreiung des KZs Buchenwald dem Gericht – und dem Kinozuschauer – ungefiltert zugemutet werden.



Unvergesslich!


Doppelter Maximilian: Maximilian Schell 1959 im Live-Fernsehspiel und 1961 im
Kinofilm "Urteil von Nürnberg"







Und wie schon in dem Live-Fernsehspiel von 1959 übernahm der in Österreich aufgewachsene Schweizer Maximilian Schell die Rolle des Strafverteidigers, eine Figur ganz offensichtlich inspiriert vom jungen Richard von Weizsäcker. Obschon eigentlich eine Nebenrolle, im Vorspann nur an 5. Stelle genannt, hinterließ Schell mit seiner grandiosen Darstellung einen so starken Eindruck, dass er 1961 in einer Sensationsentscheidung den Oscar als Bester Hauptdarsteller gewann – als erster und bis heute einziger deutschsprachiger Schauspieler der gesamten Tonfilm-Ära. Und dies obwohl der ebenfalls großartige Spencer Tracy in derselben Kategorie nominiert war! 





Die Aufnahme des Films war seinerzeit sehr kontrovers. In den USA galt er als „zu amerikakritisch“, in der Bundesrepublik als „extrem deutschfeindlich“ (Marlene Dietrich wurde auf der Weltpremiere in Berlin auf der Straße angespuckt) und im Rest der Welt als „zu differenziert“ abgetan. Vermutlich hat er genau deshalb unbeschadet die Zeit überdauert – weil er zu unbequem ist um zu veralten.

„Das Urteil von Nürnberg“ – das auch mich, besonders in der Arbeit an meinem eigenen Gerichtsdrama „Das Urteil von Perugia“ (siehe amazon kindle) sehr stark geprägt hat – erhielt 11 Oscarnominierungen:

Bester Film des Jahres
Beste Regie: Stanley Kramer
Bestes adaptiertes Drehbuch: Abby Mann nach seinem Fernsehspiel und den Prozessprotokollen der Nürnberger-Prozesse
Bester Hauptdarsteller: Spencer Tracy
Bester Hauptdarsteller: Maximilian Schell
Beste Nebendarstellerin: Judy Garland
Bester Nebendarsteller: Montgomery Clift
Beste Kamera (Schwarzweiß)
Bester Schnitt
Bestes Kostümdesign (Schwarzweiß)
Bestes Produktionsdesign (Schwarzweiß)

Ausgezeichnet wurden das Drehbuch und Hauptdarsteller Schell. Bonmot am Rande: In kleinen Nebenrollen sind Werner „Colonel Klink“ Klemperer als Angeklagter und William “Captain Kirk“ Shatner als Gerichtsdiener zu sehen. 




FAZIT:

Eines der besten Gerichtsdramen die je gedreht wurden, brillant geschrieben und außerordentlich gespielt.