Heute vor 50 Jahren am 12. Januar 1976 starb Dame Agatha Mary Clarissa Christie Lady Mallowan. Die erfolgreichste Kriminalschriftstellerin, die es jemals gegeben hat und auch die einflussreichste.
Mit diesem 3-fach Post, der zwei bislang nicht hier veröffentlichte Kurzreviews und im Anschluss eine Top-Ten der besten Agatha-Christie-Verfilmungen enthält, wollen wir diesen Anlass wuerdigen.
Und so entstand eine erste Idee, der Roman war “The Mysterious Affair at Styles”zu Deutsch, “Sas fehlende Glied in der Kette” der zunaechst von 19 Verlagen abgelehnt worden war. Und in diesem Roman erschuf sie einen Detektiv. Weil die englische Gesellschaft damals noch sehr stark ständisch geprägt war, eine Klassengesellschaft, musste dieser Detektiv, damit er auch gegen Adelige ermitteln konnte, ein Außenseiter sein. Ein Ausländer, vielleicht ein Geflüchteter. Und so erschuf sie einen kleinen eierköpfigen Belgier mit grauen Zellen, die arbeiteten wie eine Mausefalle und sie nannte ihn, weil er ein Geistesriese war, Herkules: Hercule Poirot.
Es zählt zu den großen Leistungen Agatha Christies, dass sie im Laufe ihres langen Lebens nicht nur eine Detektivfigur schuf, die auf eine Stufe mit Sherlock Holmes zu stellen ist, sondern sogar zwei, denn später folgte in den 30er Jahren noch Miss Jane Marple, auch sie eine Außenseiterin, eine aeltliche Jungfer, unverheiratet, ohne Familie bis auf einen Neffen.
Der Einfluss, den Agatha Christie auf die Kriminalliteratur hatte, ist gar nicht zu ermessen, nicht nur führte sie moderne, vielschichtige Figuren-Psychologie ins Genre ein, sowie Jahrzehnte vorher Arthur Conan Doyle, die Deduktion und die Logik eingeführt hatte und die Rationalität, sondern sie packte auch Gesellschaftskritik mit hinein und sezierte mit erstaunlicher detailgenauer Beobachtungsgabe ihre Gesellschaft, wie sie sie sah, mit ihren Klassenunterschieden, scharf. Ihre Romane und Erzaehlungen sind wie Zeitkapseln in denen ein Portrait der alten britischen Klassengesellschaft gezeichnet wird, einer Welt, die heute laengst untergegangen ist.
So geschehen in ihrem Durchbruchsroman “Alibi”, (The Murder Of Roger Ackroyd), ein akrobatisch mit Erzaehlperspektiven jonglierender, tollkuehn geschriebener Roman. Was sie hier erreichte, galt bis dahin als unmoeglich durchfuehrbar. Später arbeitete sie auch ähnlich virtuos in “....und dann gab's keines mehr” - das auch unter einem rassistischen Titel bekannt ist – wohl das sensationellste und verblueffendste Whodunit aller Zeiten - so perfide wie perfekt komponiert. Erst der Epilog brachte hier die Aufloesung, die damals unmoeglich zu erraten war. Eine fast schon einschuechternde Demonstration erzaehlerischen Koennens.
Aber nicht nur ihr literarisches Wirken, festgehalten in ihrer schlanken, eleganten, von Ironie durchzogenen Prosa voller grossartiger Menschenskizzen und meisterhafter Plot-Konstruktion war revolutionaer, wie etwa auch in ihrem Theaterhit “Die Mausefalle”, das zum am laengsten laufenden Theaterstueck der Theatergeschichte wurde; nein auch ihr Wirken als archaeologische Unterstuetzung ihres zweiten Ehemanns , Sir Max Mallowan und meisterhafte Expeditionsfotografin auf Ausgrabungen hat ihr spaeter wissenschaftliche Anerkennung zugetragen.
Vor ihrem Tode zu einem Zeitpunkt, als sie längst die meistgelesene Kriminalschriftstellerin aller Zeiten war, hatte Christie ein Manuskript in der Schublade. Dieses Manuskript hieß “Curtain”. “Vorhang”. Es war der letzte Fall des Meisterdetektivs Hercule Poirot und sie gab ihm ein Send Off, wie man es sich grandioser nicht hätte wünschen können. Es war eigentlich so gedacht, dass dieser letzte Roman, nach dem es keinen weiteren mehr geben konnte, erst nach ihrem Tode veröffentlicht werden sollte, um ihre Familie zu versorgen. Übrigens das gleiche war geplant mit Sleeping Murder, “Ruhe unsaft” dem letzten Miss Marple Roman. Beide Romane erschienen jedoch noch zu Lebzeiten und dadurch konnte sie den Bogen, den sie machen wollte, voll abschließen.
Nichts von der modernen Kriminalliteratur und nichts von der modernen Detektivgeschichte wäre möglich ohne Dame Agatha Christie.
Es gibt Geheimnisse in ihrem Leben, die wir nie mehr erfahren werden. Nie mehr lüften werden. Unter anderem das Geheimnis, warum sie 1926 11 Tage lang spurlos verschwand und später niemals angab, wo sie gewesen war. Sie wurde seinerzeit unter dubiosen Umständen in einem Hotel mit angeblicher Amnesie wieder aufgefunden. Sie hat nie darüber gesprochen, nie geschrieben, selbst nicht in ihrer Autobiografie. Wir wissen nicht, was in diesen Tagen geschah. Wir können es ahnen, aber wir wissen es nicht.
Dieser Post ist eine Verbeugung vor der Queen of Crime und dem bleibenden Einfluss, den sie hatte. Danke, Agatha Christie.
Mit dieser 17-teiligen Serie erfüllte sich sozusagen eine Prophezeiung....
1946 besuchte Agatha Christie die Aufführung der Theateradaption ihres Romans „Appointment with Death“ („Rendezvous mit einer Leiche“ , siehe hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Appointment_with_Death_(play) )
Darin fiel ihr die damals 40-jährige Schauspielerin Joan Hickson in der Nebenrolle der alten Jungfer Mrs. Pryce auf. Sie sah eine Übereinstimmung zwischen Hickson und einem ihrer fiktionalen Charaktere: Jane Marple, bis dahin Heldin dreier Romane und einer Kurzgeschichtensammlung. Nur war Hickson noch ein Vierteljahrhundert zu jung.
Christie schickte Hickson eine Karte auf der stand: „Ich hoffe sie werden eines Tages meine Liebe Miss Marple spielen“
Ein hehrer Wunsch, denn Hickson war eine nur wenig bekannte Nebendarstellerin. Zwar Absolventin der Royal Academy of Dramatic Arts, aber in über 200 Film und Fernsehrollen stets in die ewige zweite Reihe verbannt, wo sie eine enorme Bandbreite von kleinen Rollen kunstvoll veredelte. Aber nicht die Statur für eine Darstellerin der Marple.
Es sollte 38 Jahre dauern, bis Christies Wunsch schließlich Wirklichkeit werden sollte.
In den 60igern schlüpfte erst einmal die große Dame Margaret Rutherford für vier Kinofilme in die Rolle von Christies berühmter Hobbydetektivin; von den vier Filmen, basiert nur der erste, „16.50 ab Paddington“ auf einem Marple-Roman der Christie. Dort war 1961 in einer kleinen Nebenrolle als Köchin Mrs. Kidder zu sehen: Joan Hickson
Margaret Rutherfords Darstellung war grandios, unvergesslich, hatte aber mit der Figur in den Romanen fast nichts zu tun. Auch stilistisch waren die Kinofilme völlig anders als die Romane.
Als Rutherford die Rolle 1964 altersbedingt abgab, gab es bereits 9 Marple-Romane.
Hickson hatte sich mittlerweile zu einer arrivierten Bühnengröße – in Nebenrollen – entwickelt und 1979 für die Figur der Delia in Alan Ayckbournes „Bedroom Farce“ an der Seite von Michael Gough am Broadway sogar den Tony Award als Beste Nebendarstellerin gewonnen.
Als die BBC ihr 1984 für eine absolut werkgetreue TV-Serie die Rolle der Miss Marple antrug, war Hickson bereits 78 Jahre alt. Agatha Christie war bereits 8 Jahre tot.
Sie nahm an.
Christies Riecher erwies sich auch posthum als richtig. Hicksons Darstellung, die Jane Marple wie eine strenge aber herzensgütige, alterweise britische Headmistress spielte, ungemein feinsinnig, hintergründig, immer mit einem Hauch liebevoller Trauer über die Unvernunft der Menschen, gilt als die definitive Interpretation dieser Figur. Als wäre sie aus den Buchseiten zum Leben auferstanden. Die Serie wurde ab 1983 unter anderem in Norfolk, Devon, Oxfordshire und Barbados gedreht. Die Stadt Nether Wallop in Hampshire diente auch als Miss Marples Heimatdorf St. Mary Mead.
Die stimmungsvolle Titelmelodie für die Fernsehserie wurde von Ken Howard und Alan Blaikley komponiert.
Die Anfangstitel der Serie zeigten Bilder des bekannten Illustrators Paul Birkbeck, die das scheinbar angenehme Dorfleben darstellten, das durch verdächtig aussehende Gestalten und die Aufnahme eines Mordopfers hinter einer Cricket-Sichtscheibe verdunkelt wurde. Klatschende Frauen wurden so dargestellt, als ob sie Geheimnisse verbergen würden, während der Pfarrer sich im Schatten zu verstecken schien. Bei den ersten vier Verfilmungen waren diese Bilder schwarz-weiß, aber ab "The Murder at the Vicarage" wurden sie durch neue Farbzeichnungen ersetzt. Der Abspann der Serie zeigte ein nachdenkliches Porträt von Hickson als Miss Marple mit ihrem typischen Strohhut.
Joan Hickson spielte zwischen 1984 und 1992 in der Verfilmung aller 12 Marple-Romane gesplittet auf über 17 Folgen. Zweimal wurde sie für den BAFTA Award als Beste Hauptdarstellerin in einer TV-Serie nominiert.
In hohem Alter (bei der letzten Folge war sie bereits 86 Jahre alt) wurde Hickson so über Nacht im gesamten United Kingdom berühmt - ein später, hochverdienter Triumph.
Der Daily Telegraph schrieb:
" Guy Slaters Produktion stützt sich auf die brillante Leistung von Joan Hickson, hinter deren verblichenen blauen Augen und spießigem Lispeln man die Räder der detektivischen Intelligenz förmlich mahlen sieht. Das Unternehmen ist unübertrefflich besetzt, wunderschön inszeniert und liebevoll fotografiert."
Als Joan Hickson 1998 starb, erinnerte man sich so an sie….
Titelmusik:
*
An dieser Stelle noch eine Rezension meiner Frau, die schon einige Jahre alt ist:
*
Erstmals seit langer Zeit wurde ich wieder inspiriert, eine FilmRezension zu schreiben.
Ein Film, gedreht nach einem Buch einer fantastischen englischen Krimiautorin, die uns so geniale Werke wie "Mord im Orient Express" oder "Tod auf dem Nil", so wunderbare Detektive wie Hercule Poirot oder Miss Marple hinterlassen hat.
Die Rede ist natürlich von Agatha Christie. Nun, es gibt einiges von dieser Autorin, das ich noch nicht kannte noch nicht kenne. Durch meinen lieben Freund, Stefan C. Limbrunner (inzwischen mein Ehemann, Anmerkung der Verfasserin), bin ich ihr wieder nahe gekommen und habe ein bisschen aufgeholt.
Nun hat mich Stefan gestern Abend auf diese doch schon recht alte Schwarz-Weiß Fassung mit Star Besetzung dieser Zeit gebracht.
Der hier beschriebene Film "And then there were none", ursprünglich "10 kleine *****lein" von 1969 entspricht der Bühnen Fassung von 1943 und des Romans von Christie.
8 Personen unterschiedlicher Herkunft werden per Brief von einem "Mr. Unbekannt" zu einem Wochenende auf eine einsame, abgeschiedene Insel eingeladen. Anwesend auf dieser Insel sind nur noch ein Butler und seine Frau, der Hausherr selbst ist abwesend.
Auf dem Kaminsims stehen 10 schwarze Figuren, an der Wand ist eine umgeänderte Fassung des rassistischen Kinderliedes "10 kleine *****lein" aufgeschrieben.
Als alle Gäste anwesend sind, ertönt plötzlich geisterhaft eine Stimme, die jeden der Gäste beschuldigt, für den Tod anderer Menschen verantwortlich zu sein.
Von nun an stirbt, genau nach der Methode des Kinderliedes, ein Gast nach dem anderen.
Die jeweils Verbliebenen erzählen jeweils davon, was tatsächlich passiert ist, als die Menschen aus ihrem Umfeld ums Leben gekommen sind. Man erkennt, dass die mysteriöse Stimme die Wahrheit sagte. Man beschuldigt sich gegenseitig, misstraut jeder Handlung des anderen, will nicht mehr allein im Zimmer sein, isst und trinkt nichts mehr.
Es gibt weder Telefon, noch eine Möglichkeit, die Insel zu verlassen.
Man ist auf Gedeih und Verderb dem Mörder ausgeliefert und es scheint keine Möglichkeit zu geben, seinem, offenbar vom mysteriösen Gastgeber gewählten, Schicksal zu entkommen.
Ich kannte diese Story von Christie nicht. Ich muss gestehen, sie hat mich praktisch von der ersten Minute in ihren Bann gezogen.
Allein schon die Konstellation : Abgeschiedene Insel, kein Telefon, keine anderen Menschen, keine Möglichkeit, vorzeitig die Insel wieder zu verlassen, mysteriöse Einladungen erzeugt schon eine gewisse Spannung, ein gewisses "Grusel feeling". Man spürt, da wird irgendetwas Schlimmes passieren, auch wenn zunächst alles recht entspannt und ruhig erscheint.
Fast ebenfalls wie ein Bühnenstück aufgezogen - so spielt die Rahmen Handlung nur im Wohnzimmer des Hauses, Abläufe außerhalb finden praktisch nur im off statt - hat es lediglich tatsächlich nur 10 Darsteller. 8 Gäste und das Butler Ehepaar. Es scheint also klar zu sein, dass der eigentliche Täter einer davon sein muss.
Die Schauspieler agieren hier wirklich fantastisch. Obwohl schnell deutlich wird, dass der Umgang mit dem Tod in ihrem Umfeld sehr verschieden ist, auch die Verantwortung daran unterschiedlich zu bewerten, gibt es eigentlich niemanden, der einem so richtig ans Herz wächst, zum Sympathieträger würd, wie es sonst in den meisten Filmen der Fall ist.
Bis es schließlich zum überraschenden Ende kommt, steigt die Spannung ins Unerträgliche und selbst ich war kaum in der Lage, auch nur eine Minute zu unterbrechen oder den Blick vom Fernseher zu nehmen.
Ich ksnn diesen Film absolut weiterempfehlen. Wer auf SchwarzWeißVerfilmungen, durchaus etwas antquariarisch angehaucht, mit einer, für das Jahr 1969, deutschen Starbesetzung, ohne Splatter und Blutrausch, dafür aber extremer Spannung steht, kommt hier voll auf seine Kosten.
"10 kleine *****lein (And then there were none) (1969)"
Regie: Hans Quest
Drehbuch, bzw. liter. Vorlage : Agatha Christie
CAST:
Alfred Schieske - Sie Lawrence Wargrave
Werner Peters - William Blore
Nora Minor - Emely Brent
Ingrid Chapelle - Vera Claythorne
Rolf Boysen - Philipp Lombard
Peter Fricke - Antony Maston
Fritz Hanecke - General Mackenzie
Alexander Kerst - Dr. Armstrong
Günter Neutze - Butler Rogers
Edith Volkmann - Mrs. Rogers
Matthias Hell - Narracot
Herbert Weicker - Die Stimme
Dies hervorragende, hochspannende deutsche Fernsehspiel in der Regie von Kurt Früh ist eine Adaption des Bühnenhits „Love From A Stranger“, einer Bühnenfassung von Agatha Christies Erzählung „Haus Nachtigall“. Mit dem gespenstisch aufspielenden Heinz Bennent und Gertrud Kückelmann in den Hauptrollen glänzend besetzt, sieht man wie weit Christie schon in den 1930igern war: Sie offeriert uns nämlich einen Verbrechertypus, perfekt beschrieben, für den es damals noch keinen Namen gab: Einen Serienmörder…
Worum geht es: Nach einem unerwarteten Lottogewinn schickt die junge Cecily (Gertrud Kückelmann) ihren Verlobten in die Wüste und heiratet den so mysteriösen, wie schillernden Bruce (Heinz Bennent). Doch kaum zieht sie mit ihm aufs Land, beginnt sich sein Verhalten zu verändern, er reagiert zunehmend sonderbar. Ausgelöst von der Lektüre eines Buches über wahre Verbrechen, beginnt Cecily Indiz um Indiz zusammenzutragen….ist ihr so charmanter Ehemann womöglich ein fünffacher Frauenmörder der nie gefasst wurde?
Es zählt zu den großen Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet Agatha Christie, die als Mädchen, bis sie 8 Jahre alt war, nach dem Willen der Mutter nicht lesen durfte und nicht lesen lernen durfte und die nie eine formale Erziehung in einer Schule genoss, zur meistgelesenen Schriftstellerin der Literaturgeschichte reifen konnte.
Genau das geschah.
Genau das geschah.
Agatha Miller, wie sie damals noch hieß, begann zunächst ein Musikstudium in Frankreich, dass sie am Vorabend des Ersten Weltkrieges aber abbrach, um in Frankreich an der dortigen Front in einem Lazarett zu helfen. Sie wurde Hilfs-Apothekerin und da lernte sie auch den Umgang mit Giften. 1914 heiratete sie Oberst Archibald Christie, einen Flieger der königlichen Luftwaffe. Im Jahr 1919 kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gab es dann einen Vorfall in der oertlichen Apotheke, der ihr eine Idee eingab. Und die Idee war: "Was könnte man alles mit einem Fläschchen Gift tun, das da sein müsste, aber nicht mehr da ist?"
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| Ein emanzipierter Freigeist: Die junge Agatha |
Und so entstand eine erste Idee, der Roman war “The Mysterious Affair at Styles”zu Deutsch, “Sas fehlende Glied in der Kette” der zunaechst von 19 Verlagen abgelehnt worden war. Und in diesem Roman erschuf sie einen Detektiv. Weil die englische Gesellschaft damals noch sehr stark ständisch geprägt war, eine Klassengesellschaft, musste dieser Detektiv, damit er auch gegen Adelige ermitteln konnte, ein Außenseiter sein. Ein Ausländer, vielleicht ein Geflüchteter. Und so erschuf sie einen kleinen eierköpfigen Belgier mit grauen Zellen, die arbeiteten wie eine Mausefalle und sie nannte ihn, weil er ein Geistesriese war, Herkules: Hercule Poirot.
Es zählt zu den großen Leistungen Agatha Christies, dass sie im Laufe ihres langen Lebens nicht nur eine Detektivfigur schuf, die auf eine Stufe mit Sherlock Holmes zu stellen ist, sondern sogar zwei, denn später folgte in den 30er Jahren noch Miss Jane Marple, auch sie eine Außenseiterin, eine aeltliche Jungfer, unverheiratet, ohne Familie bis auf einen Neffen.
| Nach ihrem Durchbruch |
Der Einfluss, den Agatha Christie auf die Kriminalliteratur hatte, ist gar nicht zu ermessen, nicht nur führte sie moderne, vielschichtige Figuren-Psychologie ins Genre ein, sowie Jahrzehnte vorher Arthur Conan Doyle, die Deduktion und die Logik eingeführt hatte und die Rationalität, sondern sie packte auch Gesellschaftskritik mit hinein und sezierte mit erstaunlicher detailgenauer Beobachtungsgabe ihre Gesellschaft, wie sie sie sah, mit ihren Klassenunterschieden, scharf. Ihre Romane und Erzaehlungen sind wie Zeitkapseln in denen ein Portrait der alten britischen Klassengesellschaft gezeichnet wird, einer Welt, die heute laengst untergegangen ist.
Wie Tschechow - nur mit Handlung.
Außerdem experimentierte sie mehr als alle anderen mit der Form der Detektivgeschichte, die ja in den kompositorischen Regeln sehr festgelegt ist. Niemand darf mehr wissen, als der ermittelnde Detektiv. Aber der Leser muss alles wissen, was der Detektiv auch weiß, damit er vor ihm auf die Lösung kommen könnte. Man nennt das die Fair Play Rule. Christie brach sie nie. Aber ihre Plots waren so raffiniert, so bahnbrechend im Experimentieren mit dieser Form und mit radikalen Plot Twists, deren handwerkliches Niveau so hoch war, dass sie nie vorher versucht worden waren, dass sie die Regeln aufs Kunstvollste unterlaufen konnte.
Außerdem experimentierte sie mehr als alle anderen mit der Form der Detektivgeschichte, die ja in den kompositorischen Regeln sehr festgelegt ist. Niemand darf mehr wissen, als der ermittelnde Detektiv. Aber der Leser muss alles wissen, was der Detektiv auch weiß, damit er vor ihm auf die Lösung kommen könnte. Man nennt das die Fair Play Rule. Christie brach sie nie. Aber ihre Plots waren so raffiniert, so bahnbrechend im Experimentieren mit dieser Form und mit radikalen Plot Twists, deren handwerkliches Niveau so hoch war, dass sie nie vorher versucht worden waren, dass sie die Regeln aufs Kunstvollste unterlaufen konnte.
Ihr Wirkung reicht weit ueber das eigene Werk hinaus, erstreckt sich auf die gesamte Kriminalliteratur des 20. Jahrhunderts bis hin zum modernen und postmodernen Psychothriller.
Agatha Christie war fuer die Kriminalliteratur, was Wolfgang Amadeus Mozart fuer die Musik war.
So geschehen in ihrem Durchbruchsroman “Alibi”, (The Murder Of Roger Ackroyd), ein akrobatisch mit Erzaehlperspektiven jonglierender, tollkuehn geschriebener Roman. Was sie hier erreichte, galt bis dahin als unmoeglich durchfuehrbar. Später arbeitete sie auch ähnlich virtuos in “....und dann gab's keines mehr” - das auch unter einem rassistischen Titel bekannt ist – wohl das sensationellste und verblueffendste Whodunit aller Zeiten - so perfide wie perfekt komponiert. Erst der Epilog brachte hier die Aufloesung, die damals unmoeglich zu erraten war. Eine fast schon einschuechternde Demonstration erzaehlerischen Koennens.
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| Christie reiste oft und viel an gefährliche Orte, auch alleine. |
Aber nicht nur ihr literarisches Wirken, festgehalten in ihrer schlanken, eleganten, von Ironie durchzogenen Prosa voller grossartiger Menschenskizzen und meisterhafter Plot-Konstruktion war revolutionaer, wie etwa auch in ihrem Theaterhit “Die Mausefalle”, das zum am laengsten laufenden Theaterstueck der Theatergeschichte wurde; nein auch ihr Wirken als archaeologische Unterstuetzung ihres zweiten Ehemanns , Sir Max Mallowan und meisterhafte Expeditionsfotografin auf Ausgrabungen hat ihr spaeter wissenschaftliche Anerkennung zugetragen.
| Bei Ausgrabungen mit ihrem zweiten Mann Max Mallowan |
Vor ihrem Tode zu einem Zeitpunkt, als sie längst die meistgelesene Kriminalschriftstellerin aller Zeiten war, hatte Christie ein Manuskript in der Schublade. Dieses Manuskript hieß “Curtain”. “Vorhang”. Es war der letzte Fall des Meisterdetektivs Hercule Poirot und sie gab ihm ein Send Off, wie man es sich grandioser nicht hätte wünschen können. Es war eigentlich so gedacht, dass dieser letzte Roman, nach dem es keinen weiteren mehr geben konnte, erst nach ihrem Tode veröffentlicht werden sollte, um ihre Familie zu versorgen. Übrigens das gleiche war geplant mit Sleeping Murder, “Ruhe unsaft” dem letzten Miss Marple Roman. Beide Romane erschienen jedoch noch zu Lebzeiten und dadurch konnte sie den Bogen, den sie machen wollte, voll abschließen.
Nichts von der modernen Kriminalliteratur und nichts von der modernen Detektivgeschichte wäre möglich ohne Dame Agatha Christie.
Es gibt Geheimnisse in ihrem Leben, die wir nie mehr erfahren werden. Nie mehr lüften werden. Unter anderem das Geheimnis, warum sie 1926 11 Tage lang spurlos verschwand und später niemals angab, wo sie gewesen war. Sie wurde seinerzeit unter dubiosen Umständen in einem Hotel mit angeblicher Amnesie wieder aufgefunden. Sie hat nie darüber gesprochen, nie geschrieben, selbst nicht in ihrer Autobiografie. Wir wissen nicht, was in diesen Tagen geschah. Wir können es ahnen, aber wir wissen es nicht.
| 1926 war Christie nach einem Ehekrach fast 2 Wochen verschwunden. |
Dieser Post ist eine Verbeugung vor der Queen of Crime und dem bleibenden Einfluss, den sie hatte. Danke, Agatha Christie.
„AGATHA CHRISTIES MISS MARPLE (1984-1992)“ mit JOAN HICKSON
Mit dieser 17-teiligen Serie erfüllte sich sozusagen eine Prophezeiung....
1946 besuchte Agatha Christie die Aufführung der Theateradaption ihres Romans „Appointment with Death“ („Rendezvous mit einer Leiche“ , siehe hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Appointment_with_Death_(play) )
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| Joan Hickson als junge Schauspielerin |
Darin fiel ihr die damals 40-jährige Schauspielerin Joan Hickson in der Nebenrolle der alten Jungfer Mrs. Pryce auf. Sie sah eine Übereinstimmung zwischen Hickson und einem ihrer fiktionalen Charaktere: Jane Marple, bis dahin Heldin dreier Romane und einer Kurzgeschichtensammlung. Nur war Hickson noch ein Vierteljahrhundert zu jung.
Christie schickte Hickson eine Karte auf der stand: „Ich hoffe sie werden eines Tages meine Liebe Miss Marple spielen“
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| Hickson korrespondierte auch in den 70iger Jahren mit Christie |
Ein hehrer Wunsch, denn Hickson war eine nur wenig bekannte Nebendarstellerin. Zwar Absolventin der Royal Academy of Dramatic Arts, aber in über 200 Film und Fernsehrollen stets in die ewige zweite Reihe verbannt, wo sie eine enorme Bandbreite von kleinen Rollen kunstvoll veredelte. Aber nicht die Statur für eine Darstellerin der Marple.
Es sollte 38 Jahre dauern, bis Christies Wunsch schließlich Wirklichkeit werden sollte.
In den 60igern schlüpfte erst einmal die große Dame Margaret Rutherford für vier Kinofilme in die Rolle von Christies berühmter Hobbydetektivin; von den vier Filmen, basiert nur der erste, „16.50 ab Paddington“ auf einem Marple-Roman der Christie. Dort war 1961 in einer kleinen Nebenrolle als Köchin Mrs. Kidder zu sehen: Joan Hickson
Hier ist Hickson mit Margaret Rutherford zu sehen:
Margaret Rutherfords Darstellung war grandios, unvergesslich, hatte aber mit der Figur in den Romanen fast nichts zu tun. Auch stilistisch waren die Kinofilme völlig anders als die Romane.
Als Rutherford die Rolle 1964 altersbedingt abgab, gab es bereits 9 Marple-Romane.
Hickson hatte sich mittlerweile zu einer arrivierten Bühnengröße – in Nebenrollen – entwickelt und 1979 für die Figur der Delia in Alan Ayckbournes „Bedroom Farce“ an der Seite von Michael Gough am Broadway sogar den Tony Award als Beste Nebendarstellerin gewonnen.
Als die BBC ihr 1984 für eine absolut werkgetreue TV-Serie die Rolle der Miss Marple antrug, war Hickson bereits 78 Jahre alt. Agatha Christie war bereits 8 Jahre tot.
Sie nahm an.
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| Joan Hickson als Miss Marple. |
Christies Riecher erwies sich auch posthum als richtig. Hicksons Darstellung, die Jane Marple wie eine strenge aber herzensgütige, alterweise britische Headmistress spielte, ungemein feinsinnig, hintergründig, immer mit einem Hauch liebevoller Trauer über die Unvernunft der Menschen, gilt als die definitive Interpretation dieser Figur. Als wäre sie aus den Buchseiten zum Leben auferstanden. Die Serie wurde ab 1983 unter anderem in Norfolk, Devon, Oxfordshire und Barbados gedreht. Die Stadt Nether Wallop in Hampshire diente auch als Miss Marples Heimatdorf St. Mary Mead.
Die stimmungsvolle Titelmelodie für die Fernsehserie wurde von Ken Howard und Alan Blaikley komponiert.
Die Anfangstitel der Serie zeigten Bilder des bekannten Illustrators Paul Birkbeck, die das scheinbar angenehme Dorfleben darstellten, das durch verdächtig aussehende Gestalten und die Aufnahme eines Mordopfers hinter einer Cricket-Sichtscheibe verdunkelt wurde. Klatschende Frauen wurden so dargestellt, als ob sie Geheimnisse verbergen würden, während der Pfarrer sich im Schatten zu verstecken schien. Bei den ersten vier Verfilmungen waren diese Bilder schwarz-weiß, aber ab "The Murder at the Vicarage" wurden sie durch neue Farbzeichnungen ersetzt. Der Abspann der Serie zeigte ein nachdenkliches Porträt von Hickson als Miss Marple mit ihrem typischen Strohhut.
Joan Hickson spielte zwischen 1984 und 1992 in der Verfilmung aller 12 Marple-Romane gesplittet auf über 17 Folgen. Zweimal wurde sie für den BAFTA Award als Beste Hauptdarstellerin in einer TV-Serie nominiert.
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| Joan Hickson als Miss Marple mit David Suchet als Hercule Poirot - beide unerreicht bis heute. |
In hohem Alter (bei der letzten Folge war sie bereits 86 Jahre alt) wurde Hickson so über Nacht im gesamten United Kingdom berühmt - ein später, hochverdienter Triumph.
Der Daily Telegraph schrieb:
" Guy Slaters Produktion stützt sich auf die brillante Leistung von Joan Hickson, hinter deren verblichenen blauen Augen und spießigem Lispeln man die Räder der detektivischen Intelligenz förmlich mahlen sieht. Das Unternehmen ist unübertrefflich besetzt, wunderschön inszeniert und liebevoll fotografiert."
Als Joan Hickson 1998 starb, erinnerte man sich so an sie….
Titelmusik:
*
An dieser Stelle noch eine Rezension meiner Frau, die schon einige Jahre alt ist:
*
"ZEHN KLEINE *****LEIN (1969)"
Erstmals seit langer Zeit wurde ich wieder inspiriert, eine FilmRezension zu schreiben.
Ein Film, gedreht nach einem Buch einer fantastischen englischen Krimiautorin, die uns so geniale Werke wie "Mord im Orient Express" oder "Tod auf dem Nil", so wunderbare Detektive wie Hercule Poirot oder Miss Marple hinterlassen hat.
Die Rede ist natürlich von Agatha Christie. Nun, es gibt einiges von dieser Autorin, das ich noch nicht kannte noch nicht kenne. Durch meinen lieben Freund, Stefan C. Limbrunner (inzwischen mein Ehemann, Anmerkung der Verfasserin), bin ich ihr wieder nahe gekommen und habe ein bisschen aufgeholt.
Nun hat mich Stefan gestern Abend auf diese doch schon recht alte Schwarz-Weiß Fassung mit Star Besetzung dieser Zeit gebracht.
Der hier beschriebene Film "And then there were none", ursprünglich "10 kleine *****lein" von 1969 entspricht der Bühnen Fassung von 1943 und des Romans von Christie.
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| Rolf Boysen im Alan Arkin -Look |
8 Personen unterschiedlicher Herkunft werden per Brief von einem "Mr. Unbekannt" zu einem Wochenende auf eine einsame, abgeschiedene Insel eingeladen. Anwesend auf dieser Insel sind nur noch ein Butler und seine Frau, der Hausherr selbst ist abwesend.
Auf dem Kaminsims stehen 10 schwarze Figuren, an der Wand ist eine umgeänderte Fassung des rassistischen Kinderliedes "10 kleine *****lein" aufgeschrieben.
Als alle Gäste anwesend sind, ertönt plötzlich geisterhaft eine Stimme, die jeden der Gäste beschuldigt, für den Tod anderer Menschen verantwortlich zu sein.
Von nun an stirbt, genau nach der Methode des Kinderliedes, ein Gast nach dem anderen.
Die jeweils Verbliebenen erzählen jeweils davon, was tatsächlich passiert ist, als die Menschen aus ihrem Umfeld ums Leben gekommen sind. Man erkennt, dass die mysteriöse Stimme die Wahrheit sagte. Man beschuldigt sich gegenseitig, misstraut jeder Handlung des anderen, will nicht mehr allein im Zimmer sein, isst und trinkt nichts mehr.
Es gibt weder Telefon, noch eine Möglichkeit, die Insel zu verlassen.
Man ist auf Gedeih und Verderb dem Mörder ausgeliefert und es scheint keine Möglichkeit zu geben, seinem, offenbar vom mysteriösen Gastgeber gewählten, Schicksal zu entkommen.
Ich kannte diese Story von Christie nicht. Ich muss gestehen, sie hat mich praktisch von der ersten Minute in ihren Bann gezogen.
| Wer ist der geheimnisvolle Gastgeber? |
Allein schon die Konstellation : Abgeschiedene Insel, kein Telefon, keine anderen Menschen, keine Möglichkeit, vorzeitig die Insel wieder zu verlassen, mysteriöse Einladungen erzeugt schon eine gewisse Spannung, ein gewisses "Grusel feeling". Man spürt, da wird irgendetwas Schlimmes passieren, auch wenn zunächst alles recht entspannt und ruhig erscheint.
Fast ebenfalls wie ein Bühnenstück aufgezogen - so spielt die Rahmen Handlung nur im Wohnzimmer des Hauses, Abläufe außerhalb finden praktisch nur im off statt - hat es lediglich tatsächlich nur 10 Darsteller. 8 Gäste und das Butler Ehepaar. Es scheint also klar zu sein, dass der eigentliche Täter einer davon sein muss.
Die Schauspieler agieren hier wirklich fantastisch. Obwohl schnell deutlich wird, dass der Umgang mit dem Tod in ihrem Umfeld sehr verschieden ist, auch die Verantwortung daran unterschiedlich zu bewerten, gibt es eigentlich niemanden, der einem so richtig ans Herz wächst, zum Sympathieträger würd, wie es sonst in den meisten Filmen der Fall ist.
Bis es schließlich zum überraschenden Ende kommt, steigt die Spannung ins Unerträgliche und selbst ich war kaum in der Lage, auch nur eine Minute zu unterbrechen oder den Blick vom Fernseher zu nehmen.
Ich ksnn diesen Film absolut weiterempfehlen. Wer auf SchwarzWeißVerfilmungen, durchaus etwas antquariarisch angehaucht, mit einer, für das Jahr 1969, deutschen Starbesetzung, ohne Splatter und Blutrausch, dafür aber extremer Spannung steht, kommt hier voll auf seine Kosten.
"10 kleine *****lein (And then there were none) (1969)"
Regie: Hans Quest
Drehbuch, bzw. liter. Vorlage : Agatha Christie
CAST:
Alfred Schieske - Sie Lawrence Wargrave
Werner Peters - William Blore
Nora Minor - Emely Brent
Ingrid Chapelle - Vera Claythorne
Rolf Boysen - Philipp Lombard
Peter Fricke - Antony Maston
Fritz Hanecke - General Mackenzie
Alexander Kerst - Dr. Armstrong
Günter Neutze - Butler Rogers
Edith Volkmann - Mrs. Rogers
Matthias Hell - Narracot
Herbert Weicker - Die Stimme
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UNSERE TOP-TEN DER BESTEN CHRISTIE-VERFILMUNGEN
1. "Mord im Orientexpress" (Murder In The Orient Express, 1974)
Dieser mehrfach oscarnominierte Hit der Frühsiebziger trat eine neue Welle von Christie-Verfilmungen los. Prunkvoll, aufwendig, mit einem raffinierten Skript von Paul Dehn nebst unschlagbarer Auflösung (die im Roman Kriminalliteraturgeschichte schrieb), inszenierte Meisteregisseur Sidney Lumet ("Die 12 Geschworenen" 1956, "Serpico" 1973) diesen Edelkrimi mit Superstarbesetzung. Albert Finney, der sich für die Rolle bis zur Unkenntlichkeit verwandelte, erlangte als erster und bis heute einziger Darsteller für seine Performance als Hercule Poirot eine Oscarnominierung. Ingrid Bergman gewann den Preis, ihren dritten, als Beste Nebendarstellerin.
Worum geht es:
Der berühmte Luxuszug, der Orientexpress, wird durch einen nächtlichen Mord im Kurswagen Calais-Istanbul erschüttert: Der unsympathische Millionär Ratchet (Richard Widmark) der zuvor Poirot (Albert Finney) erfolglos um Hilfe gebeten hatte, wird brutal erstochen aufgefunden. Gerade als Poirot die Ermittlungen aufnehmen will, bleibt der Zug in einer Schneeverwehung mitten im winterlichen Jugoslawien stecken. Wer ist der Mörder? Einer der 12 Menschen im Abteil? Ein Eindringling der in die Nacht floh? Poirot beginnt zu ermitteln, während die Nerven im eingeschneiten Zug blank liegen und er stösst auf ein jahrzehntealtes, schreckliches Geheimnis....
2. Das letzte Wochenende" („The Last Weekend", 1945)
Schon Agatha Christies Vorlage, erschienen zu nächst unter rassistischem Titel („Zehn kleine *****lein“) dann als „Und dann gab’s keines mehr“, ist ein Meisterwerk der Handlungskonstruktion und ein unerreichter Meilenstein der Kriminalliteratur. Das Raffinement der Erzählung an deren Ende, nach nie dagewesenem Body Count, scheinbar kein Täter zu bleiben scheint, ist immer noch atemberaubend. Rene Clairs intensive, extrem dichte Inszenierung die die Vorlage im Drehbuch von Dudley Nichols schwarzhumorig ins Makabere zuspitzt gilt zurecht als Beste der vielen Adaptionen des Stoffes.
Worum geht es: 12 Personen werden zu einem Wochenende auf einer unzugänglichen, einsamen Atlantikinsel eingeladen. Erst bei Ankunft bemerken sie, dass niemand den Gastgeber zu kennen scheint. Dafür scheint der alles über sie zu wissen: Jedem legt er, als unheimliche Schallplattenstimme, ein schweres Verbrechen zur Last und kündigt an, sie alle hinrichten zu wollen. Und tatsächlich fällt einer nach dem Anderen einer Serie bizarrer Morde zum Opfer, bis dem alten Richter (Barry Fitzgerald) ein furchtbarer Verdacht schwant: Ist der Killer womöglich einer der Eingeladenen selbst…..?
Worum geht es: 12 Personen werden zu einem Wochenende auf einer unzugänglichen, einsamen Atlantikinsel eingeladen. Erst bei Ankunft bemerken sie, dass niemand den Gastgeber zu kennen scheint. Dafür scheint der alles über sie zu wissen: Jedem legt er, als unheimliche Schallplattenstimme, ein schweres Verbrechen zur Last und kündigt an, sie alle hinrichten zu wollen. Und tatsächlich fällt einer nach dem Anderen einer Serie bizarrer Morde zum Opfer, bis dem alten Richter (Barry Fitzgerald) ein furchtbarer Verdacht schwant: Ist der Killer womöglich einer der Eingeladenen selbst…..?
3. "16 Uhr 50 ab Paddington" (Murder She Said, 1961):
Die erste gruselig-humorige Verfilmung des berühmten Miss Marple Romans der Christie durch George Pollock (in herrlich körnigem Schwarzweiss) ist auch die Beste, wirkte stilbildend und wurde zugleich Startschuss der Miss-Marple-Kinoreihe der 60iger Jahre. 23 Jahre später wurde sie Titelinspiration für "Mord ist ihr Hobby" (Im Original: "Murder She Wrote"). "16 Uhr 50 ab Paddington" brachte den späten internationalen Durchbruch für die renommierte Theaterschauspielerin Margaret Rutherford, die sich hier selbst unsterblich spielte - auch wenn ihre Miss Marple nicht mehr viel mit der Vorlage zu tun hat: Die Darstellung ist und bleibt sensationell.
Worum geht es:
Im Zug nach Milchester beobachtet die alte Jungfer Jane Marple (Margaret Rutherford) durch die Fenster eines vorbeifahrenden Zuges einen Mord. Da niemand ihr glaubt und man weder im anderen Zug noch an den Gleisen eine Frauenleiche findet, beginnt die rüstige Dame selbst zu ermitteln. Die Spur führt zum Landsitz von Familie Ackenthorpe, einem brummigen Familienoberhaupt (Jame Robertson Justice), der seine Anverwandten und seinen Hausarzt Dr. Quimper (Arthur Kennedy) schikaniert. Marple schleust sich als Haushälterin auf das Anwesen ein, doch bald geschieht ein zweiter Mord....
4. „Zeugin der Anklage” (Witness for The Prosecution 1957):
Eine traumhafte Kombination: Komödiengenie und Oscarpreisträger Billy Wilder verfilmt Agatha Christies Bühnenhit mit einmaliger Starbesetzung: Sir Charles Laughton ("Meuterei auf der Bounty " 1935, "Der Glöckner von Notre Dame" 1939) in einer grossen Altersrolle, seine Ehefrau Elsa Lanchester ("Frankensteins Braut" 1935) sowie Tyrone Power und Marlene Dietrich (in ihrer besten Darstellerleistung). Unschlagbar! Krimispannung vom Allerfeinsten, Sprachwitz zum Niederknien, grossartige Schauspielkunst und spektakuläre Wendungen mit wahrer Schockwirkung.
Worum geht es:
Leonord Vole (Power) steht unter Mordanklage. er soll seine reiche ältere Gönnerin getötet haben. Star-Verteidiger Sir Wilfried Robarts (Laughton), der nach einem Herzinfarkt von einer penetranten Krankenschwester (Lanchester) betüdelt wird und von Voles Unschuld ueberzeugt ist, übernimmt den Fall sprachgewaltig - doch vor Gericht erlebt er eine enzigartige Überraschung als die Staatsanwaltschaft mit einer Überraschungszeugin aufwartet - Voles eiskalter Ehefrau (Dietrich).....
5. "Tod auf dem Nil" (Death On The Nile, 1978)
Dieser opulente an ägyptischen Originalschauplätzen gedrehte Kriminalreißer entstand erkennbar in der Bugwelle des Erfolgs von "Mord im Orientexpress" und setzt eigene Maßstäbe. Sir Peter Ustinov gibt hier sein Debüt als Hercule Poirot, eine Rolle die er insgesamt 6-mal verkörpern sollte, dreimal im Kino und dreimal im TV. Der spektakelerfahrene John Guillermin ("Flammendes Inferno" 1974, "King Kong" 1976) inszeniert nach einem exzellenten Drehbuch von Dramatiker Anthony Shaffer ("Mord mit kleinen Fehlern") und wird dabei von der formidablen Kamerarbeit von Geoffrey Unsworth ("My Fair lady" 1964) und der erlesenen Filmmusik von Nino Rota ("Der Pate", 1972) unterstützt. Dank einer ausserordentlich raffinierten Storyline, umwerfender Schauplätze und , auch hier, einer Weltstarbesetzung de luxe ist auch diese hochklassige Bearbeitung ein reiner Genuss.
Worum geht es: Eine britische Reisegesellschaft hat einen mehrtätigen Trip auf einem Luxusdampfer den Nil hinauf gebucht. Auch Hercule Poirot (Peter Ustinov) ist unter den Gästen. Was ein touristisches Vergnügen werden sollte, entwickelt schnell eine dunkle Seite, denn im Schatten der Pyramiden von Gizeh geschieht ein Mord an der Millionärserbin Linnet Ridgeway. (Lois Chiles). Kurz zuvor war ihr Verlobter (Simon McCorkindale) verletzt worden. Im Land der Pharaonen macht sich Hercule Poirot daran, das Verbrechen aufzuklären, doch die Antwort liegt nicht im Wüstensand....
6. "Der Wachsblumenstrauss" (Murder At The Galop", 1963)
Die erste Fortsetzung der Miss-Marple-Reihe mit Margaret Rutherford hält das hohe Niveau, bedient sich dabei allerdings eines Kunstgriffs: Um der rüstigen Rentnerin mehr zu tun zu geben, nahm man sich nicht einen Miss Marple Roman zum Vorbild, sondern den Hercule Poirot-Roman "After The Funeral" und schrieb ihn auf die Detektivin um. Auch hier wird Rutherford der, in den Büchern nichtexistente Sidekick Mr. Stringer zur Seite gestellt, dargestellt von Rutherfords Ehemann Stringer Davis. Die Mischung aus Krimigrusel und Humor geht auch diesmal auf, nicht zuletzt dank erlesener Darsteller (Robert Morley, Flora Robson) und eines großartig perfiden Mordes im Zentrum.
Worum geht es: Der gute alte Mr. Enderby wird in seinem einsamen Herrenhaus von einer Katze buchstäblich zu Tode erschreckt. Während der Trauerfeier äussert dessen Schwester Cora den Verdacht, ihr Bruder sei ermordet worden. Als Cora kurz darauf tot aufgefunden wird, mit einer Hutnadel im Rücken, beginnt Miss Marple (Margaret Rutherford) zu ermitteln. Die Spur führt in das Reiterhotel des Cousins Hector Enderby (Robert Morley), wo sich Marple prompt anmeldet. Nach und nach gelingt es ihr das Geheimnis der Morde zu lüften - doch wird sie den diabolischen Plan in letzter Minute vereiteln können?
7. „Ein Fremder klopft an“ (1969)
Dies hervorragende, hochspannende deutsche Fernsehspiel in der Regie von Kurt Früh ist eine Adaption des Bühnenhits „Love From A Stranger“, einer Bühnenfassung von Agatha Christies Erzählung „Haus Nachtigall“. Mit dem gespenstisch aufspielenden Heinz Bennent und Gertrud Kückelmann in den Hauptrollen glänzend besetzt, sieht man wie weit Christie schon in den 1930igern war: Sie offeriert uns nämlich einen Verbrechertypus, perfekt beschrieben, für den es damals noch keinen Namen gab: Einen Serienmörder…
Worum geht es: Nach einem unerwarteten Lottogewinn schickt die junge Cecily (Gertrud Kückelmann) ihren Verlobten in die Wüste und heiratet den so mysteriösen, wie schillernden Bruce (Heinz Bennent). Doch kaum zieht sie mit ihm aufs Land, beginnt sich sein Verhalten zu verändern, er reagiert zunehmend sonderbar. Ausgelöst von der Lektüre eines Buches über wahre Verbrechen, beginnt Cecily Indiz um Indiz zusammenzutragen….ist ihr so charmanter Ehemann womöglich ein fünffacher Frauenmörder der nie gefasst wurde?
8. „Das Böse unter der Sonne“ (Evil Under The Sun, 1982)
Ustinov die Zweite. Erneut spielt er Hercule Poirot und erneut inszeniert Bond-Veteran Guy Hamilton und zwar wiederum nach einem Drehbuch von Anthony Shaffer. Der exotische Mittelmeerschauplatz, hinreißende Untermalung durch Cole Porter-Songs, erlesener All-Star-Cast umrahmt von Art-Dco-Design und ein diabolisch konstruiertes Whodunit mit Abgründen vervollkommnen das Vergnügen. Auch wenn Einiges gegenüber der Vorlage entschärft wurde – eine der besseren Adaptionen. Schmankerl: Peter Ustinov synchronisiert sich hier auf Deutsch gleich selbst.
Worum geht es: Hercule Poirot (Peter Ustinov) ermittelt diesmal für eine Londoner Versicherung auf einer exotischen Mittelmeerinsel und verbindet so Arbeit und Sommerurlaub. Er trifft auf eine illustre Gesellschaft in der nichts ist, wie es scheint. Doch dann geschieht ein kaltblütiger Mord am Strand. Poirot beginnt zu ermitteln und stößt bald auf eine Verschwörung – zum Mord….
9. „Mord im Spiegel“ (The Mirror Crack’d, 1980)
Diese Miss-Marple-Verfilmung hätte ein weiterer Erfolg in der Welle der Christie-Verfilmungen werden sollen. Leider kam es dazu nicht, denn das Einspielergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Dabei stimmen alle Ingredienzen: James-Bond-Regisseur Guy Hamilton („Goldfinger“, „Diamamtenfieber“) inszenierte gekonnt und mit internationalem Flair, Angela Lansbury brilliert 4 Jahre vor „Mord ist ihr Hobby“ als knurrige Jane Marple nahe an der Romanvorlage, die Starbesetzung ist ein wahrer Schmaus und der Fall hochspannend und raffiniert. Nur der Schatten der Margaret Rutherford dürfte zu lang gewesen sein.
Worum geht es: Miss Marples Heimatdorf St. Mary Mead in Aufruhr! Starregisseur Jason Rudd (Rock Hudson), der in der Nähe einen Historienfilm drehen will, zieht mit seiner Frau, Filmstar Marina Gregg (Elizabeth Taylor), ins Dorf. Nur Miss Marple (Angela Lansbury) hat wenig davon, da sie sich den Fuß verstaucht hat und ans Haus gefesselt ist. Dann, nach einem großen Empfang auf dem neuen Landsitz der Rudds wird eine Einwohnerin vergiftet – trachtete jemand Marina Gregg nach dem Leben? Marple wird misstrauisch und deckt, nach und nach, eine Tragödie auf….
10. "A Haunting In Venice" (A Haunting In Venice, 2023)
Kenneth Branaghs dritte Christie-Verfilmung mit sich selbst als Poirot und die erste die nicht katastrophal abschmiert. Diese freie Adaption die die Handlung von "Die Schneewittchenparty" ins mondäne Venedig ver- und mit gediegener bis heftiger Gruselatmosphäre unterlegt, kommt dem Geist früherer Poirot-Verfilmungen am Nächsten, und Branagh findet endlich zu wahrer Form in der für ihn ungewohnten Rolle (auch wenn der Schnauz immer noch zu lang ist). Die Besetzung ist sehr gelungen, die production values sind hoch - was man diesmal sogar sieht - und die Inszenierung erlaubt sich im besten Sinne des Wortes altmodisch zu sein.
Worum geht es: Der im Ruhestand lebende Meisterdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh), besucht im Venedig der Nachkriegszeit widerwillig eine Séance in einem angeblich verfluchten, alten Palazzo, in der Nacht vor Allerheiligen; als eine der Teilnehmerinnen ermordet wird, muss Poirot seine Detektivfähigkeiten erneut einsetzen, um in einem von Schatten und Geheimnissen umgebenen Fall den wahren Mörder zu finden, wobei er sich mit übernatürlichen Elementen und der Vergangenheit der Anwesenden auseinandersetzen muss.














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