Der Titel dieses Blogs spielt natürlich auf das berühmte Magazin "Cahiers Du Cinema" (Notizen zum Kino) an, dessen Filmkritiker Francois Truffaut und Claude Chabrol später Regisseure und Wegbereiter eines neuen französischen Kinos wurden.
Dennoch ist dies kein arthouse Blog. Es ist ein Blog über die Liebe zum Film. Gute Filme. Und sehr schlechte. Egal woher sie stammen. Egal wie sie zu klassifizieren sind.
Eigentlich vorbereitet von Ole Hellbom, der kurz vor Drehbeginn an Krebs starb, wurde der Film nach Lindgrens grandioser kindlicher Romeo-und-Julia-Geschichte unter schwedischen Räubern , von Tage Danielsson, der kurz NACH dem Dreh an Hautkrebs starb, vollendet….
...und wurde ein Meisterwerk des Kinder- und Jugendfilms dessen überbordende künstlerische Gestaltungskraft und poetische Intensität auch erwachsene Zuschauer zu betören vermag.
Es ist ein Film, an dem alles stimmt:
Lindgrens eigene, geniale Drehbuchadaption, die spektakuläre Landschaftsfotografie von Rune Ericson, Mischa Gavrjusjov und Ole Fredrik Haug, und die unvergessliche, wildromantische a-capella Filmmusik von Björn Isfält (Ronja Rövardotter: Björn Isfält - Rid Över Skog (cover) - YouTube ), eine großartige Idealbesetzung aus der insbesondere die Kinderdarsteller, Hanna Zetterberg (die später als linke Abgeordnete im schwedischen Parlament saß) als Ronja und Dan Hafstrom als Birk Borkasson, durch ihr leidenschaftliches Spiel herausragen; sensationelle 80-iger Jahre state-of-the-art Spezialeffekte und grandiose Make-Up-technische Leistungen: Das alles verschmilzt zu einem emotionalen, absolut hinreißenden und stilistisch einzigartigen Filmwerk.
Erwähnt werden soll auch die exquisite deutsche Synchronfassung (Dialogbuch &-regie: Ruth Leschin, Arena-Synchron, Berlin) in der die erwachsene Janina Richter (Ilja Richters Schwester) unvergesslich die Ronja sprach und Dennis Schmidt-Foß, der Bruder von Sheldon Coopers und Leo DiCaprios deutscher Stimme, Gerrit Schmidt-Foß, den Birk. In weiteren Rollen sind Jürgen „Chuck Norris“ Kluckert als Mattis und Barbara Ratthey als Lovis zu hören.
Auf den Filmfestspielen von Berlin, 1985 erhielt „Ronja Räubertochter“ den Sonderpreis „als Film von besonderer Phantasie“ in Form eines Silbernen Bären.
Im Juni 1964 dann flog das komplette Team nach Europa, und bezog Stellung in
Salzburg Österreich. Als Double für die Von Trapp Villa diente das Privathaus von
Max Reinhardts anderem Sohn, Wolfgang Reinhardt, damals Leiter der Salzburger
Festspiele. Das Seeufer der Trapp Villa wurde an einem nahegelegenen
Seegrundstück gefilmt. Immer wenn man im Film Hausfront und im Gegenschnitt das
Ufer sieht, wurde an drei komplett verschiedenen Schauplätzen gedreht: Der
Reinhardt – Villa, dem See-Grundstück, und dem originalgetreuen Nachbau des
Seegrundstücks in den Studios in Hollywood.
Die berühmte Anfangssequenz, der Helicopter – Shot gehört zu den
eindrucksvollsten Eröffnungsszenen der Filmgeschichte, und war schon von Ernest
Lehman im Drehbuch entworfen worden.
Von windumwehten Berggipfeln, über die Bergwälder, dann hinunter in die Täler, bis
schließlich zu einer Alm auf der dem Publikum ein Punkt entgegenkommt, der im – ungeschnittenen – Näherkommen zu Julie Andrews wird, die sich dann in Großaufnahme (immer noch kein Schnitt) um die eigene Achse dreht, und die Titelnummer anstimmt
“The Hills Are Alive With The Sound Of Music….”.
So hatte Wise das Publikum praktisch schon vor der folgenden Titelmusik in der
Tasche. Für diese superb geschnittene Sequenz entwarf Wise eines derumfangreichste
Storyboards das je verwendet wurde:
Es umfasst 55 Seiten.
Die Eröffnung zu drehen, erwies sich sehr schwierig und nicht nur, weil man, wie für
alle Bergszenen, einen stundenlangen Aufstieg durchstehen musste. Diese
Einstellungen wurden erst kurz vor Abreise nach Hollywood als letzte
Außenaufnahmen abgedreht.
Zuerst fiel auf, dass das Gras auf der Alm nicht so gewuchert war, wie man gewollt
hatte. Das Drehteam hatte deshalb extra einen Vertrag mit dem Eigentümer
geschlossen, die fragliche Hochalm nicht zu mähen. Leider tat er es doch.
Zweites Problem: Durch den Helicopter war es so laut, dass man sich nicht verbal
verständigen konnte, selbst ein Megaphon war nutzlos, so dass man letztlich sehr
viele Takes brauchte, weil man die Sequenz nur vorher besprechen konnte.
Robert Wise saß während dieses Drehs in einem Baum, damit er nicht gesehen
wurde, dirigierte - ohne
Monitor – den Hubschrauber per Funk und Julie Andrews per Handzeichen.
Weiteres Problem: Durch den Wirbel der Rotorblätter wurde es mit der Zeit eiskalt.
Als Julie Andrews schon am ganzen Leib zitterte und nicht weitermachen konnte,
wedelte sie verzweifelt mit den Armen um Wise zum Szenenabbruch zu bewegen.
Der aber reckte ihr plötzlich den Hochdaumen hin: Sequenz im Kasten!
Der in dieser Szene gesungene Song Sound Of Music enthält eigentlich einen
gesprochenen Vorlauf, den Ernest Lehman zugunsten der Wirkung herausnahm. Die
trillernden Klänge während des Fluges entstammen aber noch diesem Vorspiel.
Hier ein Interview mit Julie Andrews zum Dreh der Eröffnung:
Kurz nach "How you do solve a problem named Maria"
“Maria” wurde wie gesagt in einem im Studio in Los Angeles aufgebauten Außenset
gedreht, das eine detailgetreue Kopie des Innenhofes der echten Nonnberg Abtei
war. Auch die Klosterkapelle war – unglaublich, aber wahr – ein genialer
Studionachbau von Boris Leven.
Bei der “Maria” Nummer standen die Choreografen
Marc Breaux und Dee Dee Wood vor dem Problem, wie die Bewegungen der
Nonnen zur Musik aussehen sollten.
Immerhin war "The Sound Of Music" kein Tanzmusical a lá Gene Kelly oder Fred
Astaire, sondern ein Singmusical, außerdem sollten die Bewegungen der Nonnen
angemessen sein, und nicht ein völlig überzogenes Herumgesteppe.
Also ließen sich die Choreografen extra zwei Habits kommen, schlüpften hinein und
testeten am
eigenen Leib, wie man sich darin entsprechend würdevoll, doch musikalisch
bewegen könnte.
Die zwar nicht spektakuläre aber bis ins Detail ausgefeilte Choreografie zu “Maria”
spiegelt dieses
Brainstorming wider
Übrigens:
Auch die Bewegungsabläufe der Marionetten in der Puppenspiel Sequenz von “The
Lonely Goatherd”
(die es in der Bühnenfassung nicht gibt; wieder eine Idee von Ernest Lehman)
wurden eigens von den
Choreografen entworfen und mit den Puppenspiel – Stars Bill und Cora Baird
einstudiert.
Julie Andrews mit dem "Lonely Goatherd"
Besondere Erwähnung verdient ein Besuch während der Dreharbeiten. Am selben
Tag, als “I have Confidence” gedreht wurde, besuchte die echte Maria Von Trapp,
mit ihrer Enkelin Elisabeth den Drehort zu Salzburg.
Robert Wise war erfreut und stellte die beiden dem Team vor. Schließlich hatte er die
Idee, den beiden einen kurzen Auftritt als Passanten in der Szene des Tages zu
geben. So geschah es auch. Also aufgemerkt:
Während des genannten Songs durchquert Julie Andrews in der Salzburger Altstadt
einen Torbogen. In diesem Moment geht, weit im Hintergrund, eine ältere Dame mit jüngerer Begleitung an der Hand über die Straße. Das ist die echte Maria von Trapp:
Dreh zu "I have confidence"
Julie Andrews und die echte Maria
Dreh zu "I have confidence": Wise gibt Anweisungen
Andrews in einer Pause waehrend der Altstadt Sequenz zu "I have confidence"
Andrews nach dem Dreh von "I have confidence" während das Set der Trapp Familie vorbereitet wird
In der Szene von Liesels nächtlichem Rendezvous in der Laube, kam es zu einem
Zwischenfall. Es handelte sich dabei um die letzte abzudrehende Szene des Films,
die Innen-aufnahmen der Laube wurden in Hollywood gedreht. Bei dem Tanz auf den
Bänken rutschte Charmian Carr plötzlich weg und brach durch die (Kunst-)
Glasscheibe ins Freie.
Sie blieb unverletzt, nur ihr Knöchel war massiv gestaucht. Da die Mietfrist für das
Set nur noch zwei Tage lief, musste die Sequenz trotzdem unbedingt abgedreht
werden. Also bekam sie einen Stützverband (in der alten Videofassung des Films
noch leicht sichtbar, auf der DVD aber wegretouschiert) und Schmerzmittel vom
Studioarzt, von denen sie heute glaubt, es seien Aufputschmittel gewesen.
So drehte Charmian Carr die komplette Tanzsequenz in der Laube mit gestauchtem
Knöchel (Autsch!) in einem 12 stündigen Marathon–Dreh. Als die Szene endlich
abgeschlossen war, erhielt sie einen donnernden Applaus vom gesamten Team
Eine amüsante Anekdote gibt es auch zur ersten Szene, die gedreht wurde.Dabei handelt es sich um die Gewitterszene, bei der Maria “My Favourite Things”
singt (denselben Song den Björk später in Lars von Triers "Dancer In The Dark" in der
Todeszelle singt: https://www.youtube.com/watch?v=ivVJEO5UEF).
Am Anfang der Szene kletterte Charmian Carr, als Liesel durchnässt und schmutzig
durch das Fenster
herein (in Wirklichkeit war das Fenster natürlich ebenerdig) und wurde vorher
geduscht und mit
Dreck beworfen, damit es aussah, als käme sie aus dem Sturm.
Probe zu "My Favourite Things"
Nur war es Robert Wise nicht schmutzig genug “Dreckiger! Macht sie dreckiger!” war
seine wiederholte Regieanweisung. Als die Szene abgedreht war, meinte er auf
einmal
“Warum habt ihr sie so dreckig gemacht? Sie sieht ja aus wie ein Schmutzfink!”
Tja, Regisseure….
Diese Szene ist auch anderweitig von Belang. Da es sich tatsächlich um die erste
Sequenz handelte, die gedreht wurde, war es auch die erste gemeinsame Kamera -
Szene mit Julie und den Kindern. Da Julie Andrews wusste, dass diese erste Arbeit
entscheidend dafür sein würde, ob zwischen ihr und den Kindern eine natürliche,
frische Chemie entstand, versuchte sie eine sehr spielerische Annäherung, und
Robert Wise sorgte dafür, dass die Kinder noch gar nicht bewusst merkten, wann
mitgedreht wurde, und wann nicht.
So gelang es den Spaß, den alle Beteiligten sichtlich hatten, in die fertig geschnittene
Szene zu übertragen.
"My Favourite Things": Trockenprobe vor dem Dreh
Eine der bemerkenswertesten Musiknummern des Films wurde
„Do – Re –Mi“ :
Im Stück ein zweigeteilter Song mit dem Maria den Kindern spielerisch das Singen beibringt.
Für den Film streckte Ernest Lehman den Song auf zahlreiche Schauplätze und
erlaubte dadurch Zeitsprünge. Er nutzte die so entstandene Sequenz um zu zeigen,
das zwischenzeitlich ein halber
Sommer vergeht.
In der großartigen Photographie durch Ted McCord
und dem Schnitt von William
Reynolds entstand so die
erste musikalische Sequenz, die die Einheit von Zeit und
Raum bewusst brach, und somit die
Grundlage für die späteren
Musikvideos legte.
Mittelteil der "Do Re Mi" Sequenz: Die Fahrradszene
Altstadtszenen zu "Do Re Mi": In den Mirabellengaerten
Pause während der Dreharbeiten
Schlussbild der Bergaufnahmen zu "Do Re Mi"
Beim Dreh der Bootszene kam es zu
einer Panne: Die Sequenz wurde ja
auf einem echten See gedreht. Die
erste Hürde war, dass die Szene,
nachdem Maria und die Kinder ins
Wasser gefallen und an Land
geklettert sind, noch weiterläuft, der
Dreh Stunden dauern würde, aber
die Kinder und Julie Andrews ja
innerhalb der Szene nass bleiben
mussten. Also musste ein
Crewmitglied, als professioneller
Durchnässer, die Beteiligten
zwischen jedem Take mit Wasser
übergießen, den ganzen Tag lang.
Ein professioneller Durchnaesser bei der Arbeit
Problematischer war, dass die kleine
Kym Karath leider nicht schwimmen
konnte. Also sprach man ab, dass
Julie Andrews sie, während beide
rückwärts ins Wasser fallen würden,
festhalten sollte, um ein Ableben
der Kinderdarstellerin zu
verhindern.
So weit, so gut. Nur beim
eigentlichen Dreh kippten leider
alle in eine andere Himmelsrichtung
aus dem Boot, Julie Andrews nach hinten statt vorne, und konnte Kym Karath nicht erwischen.
Nicht erhalten sind leider die
Outtakes in denen die sieben
Darsteller nach der …ähem…
„Gesunkenen“ tauchen
Die kleine Gretel - Darstellerin
wurde schließlich gerettet und
unversehrt an Land gebracht. Nur
hatte sie soviel Wasser geschluckt,
dass sie sich versehentlich auf das
Kleid von Heather Menzies erbrach.
Ups!
Nach getaner Arbeit ist gut Trocknen
Die Arbeit mit den Kinderdarstellern
brachte ohnehin ein paar
unerwartete Komplikationen mit
sich.
Die kleine Debbie Turner (Martha)
verlor leider während des
langwierigen Drehs mehrere
Milchzähne. Kurzerhand, da sie ja
nicht plötzlich unerklärliche
Zahnlücken haben durfte, klebte
man ihr künstliche Zähne in die
Zahnlücken, damit es nicht auffiel.
Kym Karath hingegen schmeckte das
österreichische Essen zu gut, und sie
wurde rund und schwer. Bei der
letzten Einstellung, der Flucht über
die Berge, sollte Christopher
Plummer die Kleine huckepack
tragen, da sie aber so schwer
geworden war, und die Schlucht so
tief, bestand der Shakespeare-Mime
aus Sicherheitsgründen auf einem
leichteren Double.
Robert Wise als Entertainer
Christopher Plummer hatte
übrigens während des Drehs
immer wieder Gewissensbisse weil
er die Rolle angenommen hatte.
Spöttisch nannte er den Film
immer The Sound Of Mucus (=”Der
Klang des Schmalzes”), und meinte
mit Julie Andrews zu arbeiten sei
wie “jeden Tag eines mit einer
Valentinstagskarte über den
Schädel zu kriegen”.
Hinzu kam,
dass er Kindern gegenüber sehr
scheu war, was sein
Missvergnügen noch steigerte.
Trotzdem gewann er, wie er später
sagte, den “wilden Haufen” lieb,
und nahm in späteren Jahren an
vielen Sound Of Music – Reunions
teil.
Gemeinsamer Ausflug: Chris und Julie beim Bergwandern
In einer DrehPause: Chris Plummer, Julie Andrews und Pamela Matthews
Auch mit Julie Andrews, die ihm half, Vergnügen an einem Dreh zu gewinnen, für
den er
sich damals schämte, verbindet ihn bis heute eine lebenslange Freundschaft.
Schon damals freundete er sich mit der jungen Charmian Carr an, die mit ihm im
gleichen
Hotel untergebracht war. Er ging nicht nur mehrfach – in allen Ehren – mit ihr Essen,
und
sang bis frühmorgens in der Hotelbar Jacques Brel Chansons mit ihr, zu denen
er Klavier spielte, sondern, als leidenschaftlicher Gourmet, führte er die 22-jährige
auch
in die hohe Kunst des Wein- und Sektgenusses ein.
Charmian übt charmant Gitarre
Dadurch bekommt Charmian
Carrs Textzeile in “So Long,
Farewell” einen ironischen
Hintergrund:
“I´d like to stay, and drink my
first champaign” und Von
Trapps Antwort “No”.
Tatsächlich hatte Miss Carr erst
wenige Tage zuvor mit
Christopher Plummer ihr erstes
Glas echten Champagner
getrunken.
Plummer machte sich übrigens später, als er
dann doch stolz war, in einem der
populärsten Filme überhaupt mitgewirkt zu
haben, Vorwürfe:
Zwar brachte er sich, trotz seines Spöttelns
voll ein, probte die langen Dialoge mit Julie
Andrews immer wieder , steuerte zahlreiche
Ideen bei, regte z.B. Drehbauchautor Ernest
Lehman an, den Abschiedsdialog zwischen
Von Trapp und der Baronin Schroeder
umzuschreiben und ihn stilistisch an die
Abschiedsszene in Oscar Wildes “Bildnis des
Dorian Gray” anzulehnen, ja nahm sogar
einen vielstündigen Almaufstieg in Kauf, um
mit dem letzten lebenden österreichischen
Verwandten von Georg Von Trapp zu
sprechen, trotzdem war Plummers
Darstellung recht hölzern.
Später sagte er “Jeder hat versucht den Film
so unkitschig wie nur möglich zu machen,
vor allem Julie und die Kinder. Der einzige,
der wirklich hölzern war, war ich – und dafür
hätte man mir in den Hintern treten sollen.”
“Climb Every Mountain” , gesungen von Peggy Wood als Mutter Oberin, und als
Reprise während der Flucht (oben) zu hören, ist einer der berühmtesten Songs aus "The Sound Of Music", und ging, wie später der Film selbst, in die amerikanische
Kultur ein.
Als 1966 der 11 jährige Michael Jackson ohne Erlaubnis seines Vaters im
Kirchenchor auftrat, um den strengen Papa zu überzeugen, klein Michael bei den
“Jackson Five” mitsingen zu lassen, war es der Song “Climb Every Mountain” den er
sang.
Und wie wir
wissen überzeugte er damit.
Auch zu “Something Good” gibt
es eine hübsche Anekdote.
Die
Szene so subtil nur im
Schattenriss zu drehen, war
ursprünglich nicht vorgesehen
gewesen. Beim Dreh der
entsprechenden Szene aber
hatte Julie Andrews ein Problem
mit den Scheinwerfern. Sie
gaben kuriose wummernd –
knisternde Geräusche von sich,
und immer an der
romantischsten Stelle
Die Andrews musste kichern,
Plummer musste Kichern, alle
mussten kichern. Nach dem
zwanzigsten Take kicherte
allerdings nur noch Julie
Andrews. Entnervt kam Robert
Wise die Idee, die ganze Szene in
Silhouette zu drehen, damit man
Julie Andrews nicht mehr grinsen
sah.
Ein wirklich peinlicher Fehler ereignet sich beim Dreh der Hochzeitsszene:
Man hatte
eine schöne Kirche nahe Salzburg gefunden, (die berühmte Mondsee – Kapelle) die damals abseits der üblichen Touristenrouten lag. Sie wurde extra für einen ganzen Tag
gesperrt, so dass man nur diesen einen Tag Zeit hatte. Der erste Teil der Prozession
war bereits gedreht, als die Altareinstellungen gedreht werden sollten.
Erst jetzt fiel
dem Aufnahmeleiter auf, dass niemand daran gedacht hatte, dem Schauspieler
Bescheid zu geben, der den Bischof spielen sollte. Man hatte einfach vergessen ihn
anzurufen.
Was tun?
Die Zeit lief ab, die Szene musste gedreht
werden
Zum Einen, weil die Location nur noch
wenige Stunden zur Verfügung stand, zum
anderen weil jeder Drehtag Geld kostete,
und die Dreharbeiten sich bereits um
Wochen verzögert hatten, da man – wie
gesagt 90 % des Films wurden unter freiem
Himmel gedreht – ständig tagelang auf
gutes Wetter hatte warten müssen.
Also – woher auf die Schnelle einen Bischof
nehmen? Da hatte Robert Wise eine Idee
Er rief den Bischof von Salzburg an, und
bezirzte ihn solange bis er bereit war die
Trauung “zu spielen”. Man sieht in der Szene
also den echten, damaligen Salzburger
Landesbischof.
Warten auf den Bischof: Robert Wise und "Schauspieler"
Im letzten Drittel des
Filmes, der dann schon
unter der NS – Diktatur
spielt, legte Robert Wise
wert darauf, dass die Nazis
nicht (wie in der deutschen
Heimatfilmversion) nahezu
komplett verschwiegen
wurden, sondern eine
deutliche, wenngleich
musical-verträgliche Rolle
spielen sollten. Natürlich
wäre es geschmacklos
gewesen hier etwa
irgendwelche Gräuel oder
dergleichen zu zeigen.
Entscheidend war auch die
lange Szenen - Sequenz des
Sängertreffens in der
Felsenreitschule.
Das war einer der unangenehmsten Drehs des Films, denn es handelte sich um
einen
Nachtdreh, und es war bitterkalt. Während der Takes mussten die Darsteller – wie
schon
bei der dort spielenden Tagesszene – immer wieder in Decken gewickelt und mit Tee
und
Glühwein aufgewärmt werden, damit sie sich in den dünnen Kostümchen keine
Erfrierungen holten.
Brrrrr! Die Kinder werden zwischen den Takes aufgewaermt
Während dieser längeren Sequenz wird auch zum zweiten Mal der Song “Edelweiss”
von
Christopher Plummer gesungen, diesmal im Chor vom gesamten Publikum
mitgesungen.
Wegen dieser berühmten Stelle glauben heute noch (Umfrage 2004) 85 % aller
Amerikaner, dass “Edelweiss” die österreichische Nationalhymne sei.
Robert Wise, J. Andrews, C. Plummer, Richard Haydn und Peggy Wood
Eine wahre Fundgrube weiterer Infos ist die Dokumentation "The Sound Of Music: From Fact To Phenomenon" aus dem Jahr 1994:
BACKSTAGE - HINTER DEN KULISSEN:
Mit dem Klick auf den Foto-Link sehen Sie einige Impressionen von hinter den Kulissen dieses wunderbaren Films:
Weitere Backstage-Fotos sind in dieses Video eingewoben:
Aber auch rare Filmaufnahmen von den Dreharbeiten selbst existieren:
Hier haben wir einen Drehbericht von 1964:
Und auch ein Interview mit Christopher Plummer aus demselben Jahr:
Auch eine aufwendige Featurette mit Charmian Carr über die Attraktionen Salzburgs wurde damals produziert:
THE SOUND OF MUSIC - POST PRODUCTION:
Kurz vor Wintereinbruch 1964 waren die österreichischen Außendrehs beendet, das
Team flog zurück nach L.A. für die Innenaufnahmen, die bis Mitte 1965 abgedreht
waren.
Schließlich mussten dann noch die Songs im Studio aufgenommen werden.
Sonst war es bei Musicalfilmen üblich dieselben zu pre-recorden und dann in der zu
drehenden Szene einzuspielen, so dass die Schauspieler lippensynchron agieren
konnten.
Wegen der vielen Außendrehs war dies im Fall von "The Sound Of Music" nicht
möglich.
Daher nahm man erstmals die Songs nachträglich auf (Heute wird nur noch so
gearbeitet).
Dazu sei festgehalten, dass alle Darsteller selbst sangen, auch die Kinder.
Nur
Christopher
Plummer, ein leidenschaftlicher Sänger, ließ sich nachträglich (er hatte die Songs
zuvor
selbst aufgenommen) von dem Profi Bill Lee doubeln, weil ihm die Kluft zu Julie
Andrews
Stimme dann doch zu groß schien.
Die Kinder bei den spaeteren Tonaufnahmen im Studio
Und Peggy Wood ließ sich bei der höchsten Note am Ende von “Climb Every
Mountain”
ebenfalls helfen, da sie sie altersbedingt nicht mehr erreichen konnte.
Zudem
entschloss
man sich den Gesang der Kinder (immerhin ja nur sieben Stimmchen) durch
Gesangsstatisten ein wenig zu verstärken. So kamen noch drei junge Sängerinnen
und
Sänger im Studio dazu. Wir hören also insgesamt 10 Kinderstimmen im Film.
J. Andrews im Tonstudio. Rechts Filmkomponist und Oscarpreistraeger Irwin Kostal
Eine dieser “Extras” war
übrigens Charmian Carrs
Schwester Darlene, die auch
Duane Chases höchste Note
in “So Long, Farewell”
übernahm, die außerhalb
seines Stimmumfangs lag.
Julie Andrews sang natürlich
alles selbst, galt sie doch
damals als einer der besten
Sängerinnen, wegen ihrer
extrem klaren Stimme, der
perfekten Gesangstechnik,
und des enormen
Stimmumfangs: Volle vier Oktaven! Es wird
berichtet, dass sie in ihren
frühen Live – Auftritten
sogar das fis über dem
hohen C erreichen konnte.
Julie Andrews mit Orchester und Irwin Kostal
Die für die Bühne komponierte Broadway
– Musik konnte natürlich nicht eins zu eins
in den Film übernommen werden:
Spezielle Arrangements für Filmorchester
waren ebenso notwendig wie neue
Bridges, Backgroundmusiken, Titel – und
Abspannmusik die alle auf dem
Tonmaterial des Bühnenmusicals basieren, aber der Instrumentierung und der
dramaturgisch – funktionellen Sprache
eines Soundtracks genügen mussten.
Hierfür holte sich Robert Wise
Filmkomponist Irwin Kostal, der als
begnadeter Arrangeur galt. Schon 1961
hatte er Leonard Bernsteins komplexe
Kompositionen für „West Side Story“ so
meisterlich übertragen, dass er dafür
einen Oscar erhielt. Ähnliches gelang ihm
unmittelbar vor „The Sound Of Music“ mit
der Adaption von „Mary Poppins“, als er
die eigentliche Filmmusik basierend auf
den Songs von Richard M. und Robert B.
Sherman schrieb.
Irwin Kostal gab dem Film eine musikalische Handschrift
Anfang 1965 waren alle Dreharbeiten und die komplette Postproduktion beendet.
Der letzte Film der 20th Century Fox, die buchstäblich nicht einmal mehr das Geld für
die
Fox – Fanfare im Vorspann hatte, finanziert mit Geldern, die Wise’ Firma Argyle
Enterprises vorgeschossen hatte, konnte in die Kinos kommen.
Man rechnete mit etwa 20 bis 50 Millionen Zuschauern, und etwa 80 Millionen Dollar
Einspielergebnis.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ja noch niemand ahnen, was geschehen würde…..
REZIPIENZ: DER ERSTE BLOCKBUSTER
Chris Plummer singt "Edelweiss"
Am 2. März 1965 fand im Rivoli Theatre, New York die Weltpremiere von The Sound
Of Music statt. Erwartungsgemäß war das Publikum begeistert, im Gegensatz zur
Kritik.
In der New York Times schrieb Starkritiker Bosley Crowther einen absolut
vernichtenden Verriss, wobei er sich jedoch an mehreren Stellen von der
Faktengrundlage entfernte.
So behauptete er unter anderem der Film "Sound Of Music" sei nur eine 1:1
Duplikation
eines miserablen Bühnenstücks – realiter wurden zahlreiche, teilweise drastische, dramaturgische Änderungen vorgenommen.
Zudem behauptete er, dem Film gingen
am Ende (wegen der Reprisen) die Songs aus, dabei war dies schon in der
Bühnenfassung so angelegt.
Julie Andrews mit Ehemann Nr 1 Tony Walton auf der Premiere
Schaulaufen am Prämierenabend
The Sound of Music" wird im Rivoli eröffnet
Von BOSLEY CROWTHER
3. März 1965 :
"Die Tatsache, dass "The Sound of Music" trotz der spürbaren Schwäche seines
altmodischen Buches so viele Jahre am Broadway lief, war für den Produzenten und
Regisseur Robert Wise offensichtlich die Gewissheit, dass das, was das Stück im Theater
populär machte, es auch auch auf der Leinwand beliebt sein würde. Das war eine heitere
Fülle von kirche-küche-kinder Gefühlen und die allgemein melodische Glückseligkeit der
Richard Rodgers-Oscar Hammerstein 2d-Musik.
[....]
Miss Andrews, bringt, mit ihrer strahlenden Vitalität, ihrem Auftreten als einfache,
patente Frau und ihrer Fähigkeit, ihre Dialoge so lebendig und ansprechend zu gestalten
wie ihre Lieder, eine schöne Mary Poppins-Logik und -Autorität in diese Rolle, die immer
Gefahr läuft, unter der Last von romantischem Unsinn und unter dem Gewicht von
romantischem Nonsens und Sentiment zusammenzubrechen.
Obwohl ein paar neue Lieder hinzugefügt wurden (beide vergesslich), scheinen Mr. Wise
gegen Ende des Stücks die Lieder auszugehen und so wiederholt er zwei oder drei der
bekannteren.
Aber das Gleiche muss man über "The Sound of Music" sagen.
Er
wiederholt sich, im Stil - und im Thema.
Aber die Gefühle sind reichlich vorhanden. In geschäftlicher Hinsicht ist Mr. Wise kein
Narr."
Premierenparty: Filmkomponist Richard Rodgers und Julie Andrews
Julie Andrews und Chris Plummer
Das Rivoli in New York
Nach dem offiziellen Kinostart, mit nur einem Trailer und einer bescheidenen Plakataktion (man bedenke nochmals, 20th Century Fox war zahlungsunfähig), kam es zu einem der ungewöhnlichsten Fälle von Mundpropaganda.
Plötzliche begannen Leute mehrfach in die Vorstellungen zu gehen. Vorstellungen waren ausverkauft, es bildeten sich lange Schlangen vor den Kinos, und binnen eines einzigen Monats (!) überschritt The Sound Of Music die magische Grenze von 100 Millionen Dollar.
Auch die legendäre Filmhistorikerin Pauline Kael, verriss den Film in einem Artikel im McCalls Magazine.
Der Herausgeber, der den Film schätzte, hatte ihr zwar einen negativen Bericht untersagt, aber Pauline Kael umging diese Richtlinie, indem sie den Film so über den grünen Klee lobte, dass man es nur als Ironie auffassen konnte. Jedes Mal schrieb sie statt des echten Titels „versehentlich“: The Sound of Money.
Dieses Etikett blieb an dem Film bis heute haften. Pauline Kael wurde daraufhin entlassen. In diesem Fall Gott sei Dank, weil sie ihre wichtigen Bücher, die folgten, sonst vermutlich nie geschrieben hätte, besonders ihren wegweisenden Aufsatz über Citizen Kane.
Bei der 39. Oscarverleihung 1965 war The Sound Of Music aller Kritiker – Häme, und allen Unkenrufen zum Trotz für sage und schreibe 10 Oscars nominiert:
BESTER FILM DES JAHRES
BESTE REGIE – Robert Wise
BESTE HAUPTDARSTELLERIN – Julie Andrews
BESTE NEBENDARSTELLERIN – Peggy Wood
BESTE MUSIK (BEARBEITUNG) – Irwin Kostal
BESTE KAMERA (FARBE) – Ted McCord
BESTE AUSSTATTUNG (FARBE) – Boris Leven
BESTE KOSTÜME (FARBE) – Dorothy Jeakins
BESTER SCHNITT – William Reynolds
BESTER TON – James P. Corcoran ,
In der Sparte „Bester Film“ konkurrierte The Sound Of Music gegen David Leans
epische Pasternak – Verfilmung Dr. Schiwago, das britische Psychodrama Darling, Stanley Kramer´s („Flucht in Ketten“, „Urteil von Nürnberg“) NS Drama "Das
Narrenschiff" (Hauptrollen – Nominierung für Oskar Werner!) und die sentimentale
Theaterverfilmung Tausend Clowns.
In der er Sparte Hauptdarstellerin stand Julie Andrews ihrer Landsmännin Julie
Christie für "Darling", ihrer Landsmännin Samantha Eggar als Entführungsopfer im
Thriller "Der Fänger", Elizabeth Hartman im Skandalfilm "Träumende Lippen" als große
Liebe Sidney Poitiers (erster schwarz-weißer Kuss der Filmgeschichte!) und Simone
Signoret in "Das Narrenschiff" gegenüber.
In der Kategorie „Beste Regie“ konkurrierte Robert Wise gegen William „Ben Hur“ Wyler für den Entführungsthriller "Der Fänger", Meisterregisseur Sir David Lean für das Monumentalwerk "Dr. Schiwago", den britischen New Cinema Regisseur John Schlesinger für das harte Psychodrama
"Darling" und den japanischen Avantgarde – Regisseur Hiroshi Teshigahara für das
aufsehenerregende Filmkunstdrama "Die Frau in den Dünen".
Hier die Video-Clips zu den 5 gewonnen Oscars:
BESTER FILM
BESTE REGIE
BESTE FILMMUSIK (BEARBEITUNG)
BESTER TON
BESTER SCHNITT
Es folgten darüber hinaus 2 Golden Globes , sowie der Hauptpreis
der DIRECTORS GUILD OF AMERICA und der PRODUCERS GUILD OF
AMERICA für Robert Wise.
The Sound Of Music wurde außerdem mit dem
WRITERS GUILD OF AMERICA AWARD für Ernest Lehman, dem David O´Selznick Preis für Regie, dem Laurel Award für Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin, dem Federation Of Motion Picture Council´s Best Family Film Award und später
mit dem
Preis für den besten Auslandsfilm in Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden, Griechenland, den Philippinen , Mexiko, Peru
und Japan ausgezeichnet.
Wie kam es zu den Preisen in Übersee?
Vom amerikanischen Erfolg ermutigt starte
man nun doch auch Kopien im Ausland. Zunächst vorsichtig, dann, als aus immer
mehr Ländern Nachschub an Kopien verlangt wurde, mit reißendem Absatz.
Schließlich lief The Sound Of Music in fast allen Ländern der westlichen Welt.
Deutsches Filmplakat
Er lief in Deutschland als
Meine Lieder, meine Träume
In Frankreich als
La Melodié De Bonheur
In Portugal als
Musica No Coracao
In Brasilien als
A Novica Rebelde
In Italien als
Tutti Insieme Appassionatamente
In den Niederlanden als
De mooiste Muziek
In Spanien als
Sonrisas Y Lagrimas
In Griechenland als
E meloudia tees Efti – hias
In Israel als
Tze-leh ha- musica
In Saudi–Arabien als
Sauth El Musika
In Mexiko als
La Novicia Rebelde
Im Iran als
Ashkha va labkhandha
Er lief auch in Korea, Japan und inoffiziell sogar in China.
The
Sound Of Music war der erste amerikanische Film, der auch außerhalb der Staaten
zum Welthit wurde, und damit ein Zielpublikum und Einspielergebnis erreichte, das
bis dahin gar nicht vorstellbar war.
Im Dezember 1965 hatte Sound Of Music das Gesamteinspielergebnis von Vom
Winde verweht erreicht, der damit von Platz eins der erfolgreichsten Filme aller
Zeiten gestürzt wurde – und die Zuschauerzahlen wuchsen immer noch ins Uferlose.
Auch in den USA wurde der Streifen regelrecht zum Straßenfeger, fast 80 % aller
Amerikaner sahen ihn, viele mehrfach.
Üblicherweise wurden auch damals Filme nach maximal einem Jahr aus dem Kino
genommen, aber in diesem Fall war es anders.
Studenten demonstrieren vergeblich gegen den kommerziellen Filmerfolg
Sound Of Music lief in der
Erstauswertung über 4 1/2 Jahre in den Kinos, vor ausverkauften Häusern,
überall auf der Welt. Es war die bis heute längste Erstlaufzeit die es je gegeben hat.
Auch in anderen Ländern war die Nachfrage groß.
Es wird berichtet, dass ein
koreanischer Kinobesitzer – aufgrund der Überlänge des Films – die Nachfrage an
Vorstellungen nicht befriedigen konnte. Schließlich schnitt er alle Musicalszenen
heraus, so dass er eine weitere Vorführung pro Tag ansetzen konnte.
Am Ende der Erstauswertung hatte The Sound Of Music 911 Millionen Dollar
eingespielt, war von 1,2 Milliarden Menschen gesehen worden, hatte 20th Century
Fox vor dem sicheren Ruin gerettet, und mehr Tickets verkauft als jeder andere Film
in der Geschichte des Kinos vorher oder nachher.
Gefloppt war The Sound Of Music nur in den deutschsprachigen Ländern.
Zum einen gab das Publikum der “Nachahmung” ihres "großen" Heimatfilms von
vornherein keine Chance, zum anderen war die Synchronisation mißglückt und die
Tonqualität war nicht akzeptabel.
Screenshot aus der grottigen deutschen Kinofassung "Meine Lieder, meine Traeume"
Besonders schrecklich war, dass
die Heimatfilm –Sprecher die Songs alle auf deutsch nachsangen - in teils
haarsträubender Qualität. Außerdem kürzte man den Film damals schlicht um fast
vierzig Minuten, indem man ihn einfach nach der Hochzeit enden ließ, und so – ein
zweites Mal – die Nazis ignorierte.
Die teilweise erfolgte Umarbeitung vom Breitwand
auf Normalformat nahm dem Film dann auch noch alle optischen Trümpfe.
In dieser nachträglich verkitschen Form hatte The Sound Of Music natürlich keine
Chance in unseren Breiten.
Einen vergleichbaren Film - Erfolg gab es erst wieder 1975, also eine Dekade später,
als ein junger Regisseur namens Steven Spielberg einen Hai auf die Kinozuschauer
losließ.
Der weiße Hai (Originaltitel Jaws) übertrumpfte Sound Of Music und wurde
schon 1977 von Star Wars selbst wieder überboten.
Berechnet man aber die Inflation
mit ein, und nimmt zum Vergleich an, Tickets hätten in den 60ern schon genau soviel
gekostet wie später, dann bleibt das Familienmusical um die Trapp Familie – auch
nach Herr der Ringe und Titanic -noch immer unangefochten an der Spitze.
Auch der Soundtrack zum Film verkaufte sich reißend und musste dutzende Male
neu aufgelegt werden. Er sollte auf dem Plattenmarkt Rekorde brechen:
Der Spielfilmsoundtrack (mit Julie Andrews) , vertrieben von RCA Victor wurde der
damals (!) meist verkaufte Tonträger nach Elvis Presleys Debüt – Album “Heartbreak
Hotel” und dem Album “Help” von den Beatles.
Er ist - bis heute – einer der meistverkauften Filmsoundtracks der Welt, und zählt noch immer zu den Top 15 der erfolgreichsten
LPs aller Zeiten.
Später entwickelte sich ein regelrechter Kult um den Film.
Ab 1970 lief The Sound Of Music regelmäßig zu den Festtagen im öffentlich –
rechtlichen US –
Fernsehen, namentlich an Thanksgiving und dem Heilig Abend und erreichte dort
noch 2004 Einschaltquoten von bis zu 64 % - fast unvorstellbar in einem Land mit
über 150 Fernsehsendern.
Generationen von Amerikanern wuchsen also mit dem Film und mit den Liedern des
Films auf, lernten die Songs schon im Kindergarten, und erlebten Julie Andrews
mindestens zweimal jährlich als „Mutter der Nation“, oder gar noch öfter. Dadurch,
und durch zahllose Kino –Wiederaufführungen, wurde aus dem Film The Sound Of
Music etwas anderes:
Eine liebgewordene nationale Tradition.
Und Traditionen entziehen sich, wie man weiß, schnöder Kritik.
Ene Mehrheit aller
Amerikaner bezeichnen Sound Of Music noch heute als ihren Lieblingsfilm, ein All –
Time – Favourite. Er wird in Zuschauer-Rankings regelmäßig als einer der Besten
Filme aller Zeiten genannt, und das AFI (American Film Institute), die berühmteste
Filmhochschule der Welt, nannte ihn in ihrem Ranking der 100 Greatest Movies an
fünfter Stelle.
Zur Popularität beigetragen hat sicher auch die Erfindung der Sing-A-Longs, die ab
1969 stattfanden. Es handelt sich dabei um offizielle Vorführungen des Films, mit
eingeblendeten Songtexten, zu denen die Zuschauer – manchmal als die
Filmfiguren verkleidet – erscheinen und mitsingen können. Diese Sing –A-Longs sind
bis heute sehr gut besucht, und füllen ganze Hallen.
Hier ein Sing-A-Long in der Hollywood Bowl im Jahr 2017:
Die Idee wurde später 1974 für
ein anderes Leinwandmusical, die Rocky Horror Picture Show kopiert – wo sie
ebenfalls bis heute erfolgreich ist.
Eine weitere Erfindung sind die Sound Of Music Reunions, die ebenfalls bis heute
stattfinden. Es handelt sich dabei um Jubiläumsveranstaltungen , auch Fans
erwünscht sind erwünscht, zu denen die damaligen Hauptdarsteller und die
inzwischen erwachsenen „ Trapp – Kinder“ sich wieder treffen, und Erinnerungen an
alte Zeiten ausgetauscht werden.
Hier das komplette Video der Reunion von 2017 in der Oprah Winfrey-Show:
Julie Andrews und Christopher Plummer nahmen an bisher fast allen Reunions teil,
und – früher, vor seinem Tode – auch Robert Wise. Alle Darsteller sind heute, auch
nach über 40 Jahren noch, privat miteinander befreundet. Was wiederum zeigt, wie
sehr Wises Bemühung aus den Darstellern “Eine Familie zu schmieden” wirklich
gefruchtet hat.
Und natürlich haben auch im Fall von Sound Of Music japanische Filmstudios, wie
bei allen klassischen Stoffen in denen Kinder vorkommen, eine 26-teilige
Zeichentrick – Serie daraus gemacht.
Titel: The Trapp Family
Bleibt nur die Frage nach dem warum.
Warum dieser unglaubliche, Jahrzehnte anhaltende Erfolg, und die Verwandlung von
einem bloßen
Film zu einem Phänomen?
Die Antwort ist wahrscheinlich die Mischung. Der Film
bietet traumhaft schöne Bilder (die Kamerarbeit ist spektakulär und kann noch heute überwältigen), hat sowohl eine positiv, wie eine negativ ausgehende
Liebesgeschichte, hat abenteuerliche Stellen (Flucht vor den Nazis) ,hat viel Humor
und Witz, bietet Songs die auch nach Wochen noch im Ohr bleiben, hat ein
hinreißendes Energiebündel als Hauptdarstellerin, hat sieben Kinder die allen die
Schau stehlen, betont (freilich oberflächlich) familiäre Grundwerte, hat den “Eine
wahre Geschichte” Bonus , bietet ein Beispiel des “American Dream”, ist, weil
Tradition geworden, für Generationen von Zuschauern mit positiven Erinnerungen
verbunden, entlässt den Zuschauer nach drei Stunden fröhlich aus dem Kino.
Diese Mischung musste einfach einschlagen.
Ein weiterer, entscheidender Aspekt ist die Art und Weise wie diese Mischung erzählt worden ist. Das Drehbuch von Ernest Lehman, das die Geschichte um Einiges an Kitsch entrümpelt und folgerichtiger aufgebaut hat, die sensationelle Cinematografie von Ted McCord, an der man sich nicht sattsehen kann, die unglaublich eingängige Musik, die großartig choreografierten Nummern, und die brillante Regie von Robert Wise der, enorm energiegeladen und mit sehr , sehr sicherer Hand nicht nur die Stilisierung des Musicals virtuos bedient, sondern auch hünenhaft gegen die Gefahr des Kitsches an-inszeniert, den Humor betont, und zusammen mit Cutter William Reynolds dem Film, über die vollen drei Stunden, hohes Tempo und Schwung verleiht.
Extrem deutlich wurde das im direkten Vergleich mit dem TV-Remake "The Sound Of Music Live" von 2015 mit Carrie Underwood als Maria:
Wieviel The Sound Of Music seinem Publikum bedeutet, lässt sich eigentlich nur
ermessen, wenn man – und sei es nur per Dokumentation – einmal eins der Sing-ALongs gesehen hat.
Wenn etwa 2006 beim bisher größten Sing-A-Long im Hollywood Bowl 18 000 (!)
Menschen verkleidet als Trappkinder, als Kapitän Trapp, als Maria oder als Nonnen,
bei der Anfangseinstellung mit Tränen in den Augen jubeln, weil vor 40 Jahren eine
britische Theaterschauspielerin namens Julie Andrews über einen Hügel gelaufen ist,
und dann 18 000 Stimmen unisono ein Lied singen, das Rodgers & Hammerstein vor
49 Jahren geschrieben haben:
“The hills are alive, with the sound of music, with songs they have
sung for a thousand years…”
Die US -Kritik hat sich heute zu einem unverkrampfteren Umgang mit der
“Alpenschnulze” weiterentwickelt – im Gegensatz zur Kunstszene in Salzburg, wo der
Film zwar in der Regel nie gesehen, aber umso intensiver gehasst wurde und wird,
man die amerikanischen Touristen die seinetwegen kommen verachtet (und natürlich
trotzdem schröpft) oder zu Deutschland wo The Sound Of Music so unbekannt wie
verpönt ist.
Hier zwei aktuelle US – Besprechungen in Auszügen:
JAMES SANFORD in "James Sanford On Film:
"Lachen Sie, wenn Sie wollen, aber nur wenige Filme können "The Sound of
Music" das Wasser reichen, wenn es wenn es um anhaltende Popularität geht.
Bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung war er ein Riesenerfolg (er war der
Film mit den höchsten Einspielergebnissen in den Jahren 1965, 1966 und
1967!), hat er sich bis heute eine große Fangemeinde erhalten.
[.....]
Der Schauplatz Kino macht es auch leicht zu verstehen, warum dieser Film,
zusammen mit "Mary Poppins" (1964), Julie Andrews zu einem großen
internationalen Filmstar machte. Ihre
Ihre Ausstrahlung und Energie füllt die Leinwand in jeder Szene. [......] Es hilft
auch, dass die Partitur von Rodgers und Hammerstein nicht nur großartig ist,
sondern auch unglaublich eingängig.
Die Lieder werden noch wochenlang in Ihrem Kopf nachhallen.
Andrews ist sicherlich das Herzstück des Films, aber es gibt noch viel mehr zu
bewundern, besonders in Wises Regie. Man beachte, dass viele der
Musiknummern in langen Einstellungen gedreht wurden gedreht wurden, was
von den Schauspielern ein hohes Energieniveau verlangt. Es gibt keinen MTVähnlichen Flash-Schnitt, um Fehler zu kaschieren. Wise muss auch zumindest
teilweise verantwortlich gewesen sein für das Tempo des Films, das von
Anfang bis Ende fast atemlos ist, sich aber nie gehetzt anfühlt [.....]"
Aus dem Fachblatt VARIETY:
"Die Magie und der Charme des Rodgers-Hammerstein-Lindsay-Crouse-Bühnenhits von
1959 sind in dieser in dieser filmischen Umsetzung zu einem der besten Musicals, die je
verfilmt wurden, verschmolzen. Leinwand.
Die Poduktion von Robert Wise ist ein warm pulsierendes, fesselndes Drama, das mit der
einfallsreichsten Verwendung der beschwingten R-H-Melodien, großartiger Inszenierung
und mit einer brillanten Besetzung mit Julie Andrews und Christopher Plummer in den
Hauptrollen, das auf Resonanz an den Kinokassen stoßen musste
Verschiedene Musiknummern wurden ausnahmslos gekonnt in Szene gesetzt.
"My
Favorite Things", gesungen von Miss Andrews und den Kindern, ist vielleicht das am
besten gelungene Stück, während "Do-Re-Mi", das Frau und Kindeschar beim Picknick
und in den Straßen von Salzburgs zeigt, am lebhaftesten ist. Miss Andrews' einleitendes
Titellied auf dem Berg markiert einen den effektvollen Beginn des Films, der von
Luftaufnahmen durch die Berge eingeleitet wird, und " Lonely Goatherd", eine
Puppennummer, die von ihr und Kinderstimmen begleitet wird, sorgt für eine leichte Note.
Moppets' "So Long, Farewell" ist charmant, und verschiedene Reprisen während des
Films verdienen zusätzliches Interesse.
Alle technischen Leistungen sind hochkarätig und beeindruckend. William Reynolds'
Schnitt ist brillant und lässt nie Längen zu und die von Dorothy Jeakins entworfenen
Kostüme geben dem Film die nötige Würze. Irwin Kostals Arrangments und Dirigieren der
wunderschönen Filmmusik ist einer der stärksten Pluspunkte."
Bleibt noch ein Kuriosum am Rande zu erwähnen:
Die britische BBC und der amerikanische Sender ABC haben ein von hoher staatlicher Stelle geheimdienstlich festgeschriebenes Abkommen, dass im Falle eines nuklearen Holocausts den Überlebenden der Film Sound Of Music gezeigt werden soll, um Mut zum Wiederaufbau einer Gesellschaft zu machen.
Szene aus "The Postman". Postapokalyptische Überlebende sehen "Sound Of Music"
Der britische Secret Service hat diesen von THE SUN veröffentlichten Umstand inzwischen eingeräumt, die CIA hingegen spricht von “Sicherheitsfragen die nicht öffentlich erörtert werden dürfen”. Der Kevin Costner – Film “The Postman” der nach einer solchen Apokalypse spielt, nimmt jedenfalls Bezug darauf.
Dort wird den Überlebenden The Sound Of Music vorgeführt…
Ich hab den Film gern, das muss ich sagen, aber es ist halt eine andere Geschichte. Die wollten ja keine Biographie machen, sondern ein Musical, und in einem Musical darf man keine Probleme haben….aber ich sage ihnen etwas anderes, das viel wichtiger ist: Millionen Menschen überall auf der Welt kennen den Namen Von Trapp, immer noch. Man hat uns nicht vergessen – seinetwegen”
“MITZI” VON TRAPP (damals 91)
Maria Franziska "mitzi" von Trapp (* 28. September 1914 in Zell am See; † 18. Februar 2014 in Stowe, Vermont)