Der Titel dieses Blogs spielt natürlich auf das berühmte Magazin "Cahiers Du Cinema" (Notizen zum Kino) an, dessen Filmkritiker Francois Truffaut und Claude Chabrol später Regisseure und Wegbereiter eines neuen französischen Kinos wurden.
Dennoch ist dies kein arthouse Blog. Es ist ein Blog über die Liebe zum Film. Gute Filme. Und sehr schlechte. Egal woher sie stammen. Egal wie sie zu klassifizieren sind.

Donnerstag, 6. April 2023

OSTER SPECIAL: DIE TOP TEN DER BESTEN JESUS – FILME

Buchstäblich auf seine Ideale festgenagelt: Yeshua aus Nazareth

 


Es ist das vermutlich meistverfilmte Sujet der Filmgeschichte und zu Ostern dürfte es wieder auf uns zukommen: Filme über das Leben Jesu. Bereits 1906 inszenierte die erste Regisseurin der Filmgeschichte Alice Guy-Blaché, ihr, damals mit 33 Minuten überlanges, Epos „La vie et la mort du Christ“ – und das war nicht einmal der erste Vertreter seiner Art.





"Das Leben Christi" von Alice Guy-Blaché der ersten Regisseurin der Filmgeschichte,
die als Erste den Wandel zum Spielfilm vollzog.



Viele dieser Filme sind geistlos, tumb und von naiver Frömmlerei geprägt oder künstlerisch ohne Bedeutung. Es gibt aber löbliche Ausnahmen. Daher hier meine Top Eleven, sortiert von Platz 1 (Bester) bis Platz 11 (Schwächster); Hier wurden Filme aufgenommen die entweder das Leben Jesu abhandeln oder direkt damit verknüpft sind, z.B. über die Kreuzigung.

Die Filme in dieser Liste, mit Ausnahme der letzten Plätze, sind entweder künstlerisch bedeutende Arbeiten oder wenigstens sehr unterhaltsam, manchmal beides.


Kein Fall für unsere Liste: Claude Heater der (im Film) gesichtslose Jesus
 aus "Ben Hur" von 1959




Arbeiten die nicht über offizielle Produktionsgesellschaften entstanden, sondern direkt von christlich-fundamentalistischen Gesellschaften oder Konzernen der (pseudo)christlichen Rechten produziert und konzipiert wurden, sind ausdrücklich nicht berücksichtigt.



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DIE LISTE:






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1.) „Die letzte Versuchung Christi (1988)“ – Martin Scorsese.

- The Last Temptation of Christ –


Willem Dafoe in "Die letzte Versuchung Christi": Kühne Schauspielerleistung




Der verfemte Skandalfilm nach dem Roman von Nikos Kazantzakis ist in Wirklichkeit ein tiefreligiöser, theologisch radikaler, herausfordernder Film und ein tollkühn inszeniertes künstlerisches Meisterwerk, abgetrotzt einer Zeit und einer Gesellschaft die ihn nicht haben wollte. Sinnlicher, philosophisch tiefer und aufwühlender ist die Geschichte nie erzählt worden.




Sogar viele Muslime und Atheisten schätzen „Die letzte Versuchung Christi“.

Besetzt mit Willem Dafoe, in einer der mutigsten Schauspielerleistungen der Filmgeschichte, als Jesus, Harvey Keitel als Judas, Barbara Hershey als Maria von Magdala, Harry Dean Stanton als Paulus, David Bowie (!) als Pontius Pilatus. Komplexes Drehbuch von Paul Schrader („Taxi Driver“). Ausnahmesoundtrack von Peter Gabriel, absolut sensationelle Arbeit von Kameramann Michael Ballhaus und Cutterin Thelma Schoonmaker.











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2.) „ Jesus von Nazareth (1977)“ – Franco Zeffirelli
- Jesus of Nazareth/Gesu di Nazareth –




Ikonisch: Robert Powell als Christus für Franco Zeffirelli




Die beste konventionelle Jesus-Verfilmung als aufwendiger, kreativer britischer Vierteiler mit internationaler Starbesetzung: Peter Ustinov, James Earl Jones, Olivia Hussey, Anne Bancroft, Sir Laurence Olivier, Anthony Quinn, James Mason, Rod Steiger, Claudia Cardinale, Michael York, Stacy Keach, Donald Pleasance, James Farentino und Ian Holm. Herausragend Robert Powells unglaublich leidenschaftliche, teils elektrisierende Darstellung in der Titelrolle (nominiert für den britischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller).


Drehbuch von Anthony Burgess („A Clockwork Orange“), Suso CecchiD’Amico und Zeffirelli nach den vier Evangelien. Beachtlich die hohe historische Akkuratesse in der Rekonstruktion der jüdischen Kultur zur Zeit Jesu. Grandios fotografiert von Oscarpreisträger David Watkin („The Deer Hunter“). Gänsehaut-Soundtrack von Maurice Jarré („Lawrence von Arabien“).










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3.) „Das erste Evangelium nach Matthäus (1964)“ – Pier Paolo Pasolini

- Il Vangelo Secondo Matteo –







Mit Pasolini lieferte ausgerechnet ein kirchenkritischer homosexueller Kommunist eine der besten Jesus-Verfilmungen überhaupt. Kompromisslos neorealistisch, in sinnlichem, rauem Schwarzweiß gedreht, stützt sich der bewusst anrührend schlichte Film wortgetreu auf das Matthäusevangelium.


Jesus, mit beispiellos zorniger Entschlossenheit gespielt von Enrique Irazoqui, wird hier zum mutigen Sozialrebell gegen das Establishment. Komplett besetzt mit Laiendarstellern aus dem Ort Matera. Expressionistische Filmmusik von Luis Bacalov. Bei der Uraufführung im Vatikan gab es für diesen radikal-avantgardistischen Ansatz volle 40 Minuten Applaus.









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4.) „König der Könige (1927)“ – Cecil B. DeMille

- King of Kings –




Cecil B. DeMilles Version der Kreuzigung (1927)





Ikonographischer Hollywood-Kintopp vom Erfinder des Hollywood-Monumentalfilms, Cecil B. DeMille („Die zehn Gebote“ 1956), der der naiven Frömmelei maximale Schauwerte abgewinnt und filmemacherisch bis heute beeindruckt, nicht zuletzt aufgrund des hohen Aufwands, besonders in den Massenszenen. Drehbuch von DeMilles Lieblingsautorin Jeannie McPherson. In den Hauptrollen H.B. Warner als Jesus, Dorothy Cumming als Maria und Joseph Schildkraut (als Judas).

Obschon ein Stummfilm der 20iger, sind Prolog und Auferstehung bereits in Farbe! Philosophin Ayn Rand war hier Statistin. Das riesige Tor nach Jerusalem wurde 1933 in „King Kong“ wiederverwendet. Einige der Zwischentitel sind Aramäisch.













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5.) „König der Könige (1961)“ – Nicholas Ray

- King of Kings –




Jeffrey Hunter, alias Captain Christopher Pike (Star Trek), als Jesus


Klassischer Hollywood-Monumentalfilm und Tonfilm-Remake des DeMille-Films, in Farbe und Breitwand, entstanden im Gefolge von „Ben Hur“ (1959). Mit damals astronomischem 5 Millionen Dollar Budget und enormem Prunk in Spanien gedreht. Teenie-Idol Jeffrey Hunter spielt einen deutlich überirdischen Jesus, Siobhan McKenna Maria, Robert Ryan Johannes den Täufer, Carmen Sevilla Maria von Magdala, Frank Thring Herodes Antipas und Rip Torn Judas Iskariot. Grandiose Kameraarbeit (Kamera: Leon Shamroy) und bemerkenswerter, wuchtiger Soundtrack vom großen Miklos Rozsa („Ben Hur“, „Ivanhoe“).

Erstaunlich intelligentes Drehbuch von Philip Yordan mit vielen künstlerischen Freiheiten. Der Prolog stammt aus der Feder von Ray Bradbury, gesprochen von Orson Welles. Als Stimme des Teufels: Ray Milland („Bei Anruf Mord“). Extrem kurzweiliger, prachtvoller Schau- und Erbauungs-Schinken.









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6.) „Barabbas“ (1961) – Richard Fleischer

- Barabbas –


Die Kreuzigung - zum ersten und einzigen Mal während einer echten Sonnenfinsternis gedreht,





Opulente italienische Verfilmung des Romans von Literaturnobelpreisträger Pär Lagerkvist, mit Anthony Quinn in der Rolle des Mannes, der statt Jesus die Freiheit erhält und ein Leben lang vom Schatten des Kreuzes verfolgt, vom Verbrecher zum Sklaven, dann Gladiator wird, bis er, als alter Mann, beim Brand von Rom zum Christen wird. Von Dino de Laurentiis als intelligenter Monumentalfilm in Farbe und Cinemascope produziert und stilsicher inszeniert von Hollywood-Routinier Richard Fleischer („20 000 Meilen unter dem Meer“ 1954, „Der Frauenmörder von Boston“ 1968).

In weiteren Rollen Silvana Mangano, Arthur Kennedy, Vittorio Gassman, Jack Palance und Ernest Borgnine. Gänsehaut-Soundtrack von Mario Nascimbene. Die Kreuzigung wurde während einer echten Sonnenfinsternis gedreht. Zehntausende Statisten waren im Einsatz.








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7.) „Son Of Man“ (1969) aus der BBC-Reihe „The Wednesday Play“ – Gareth Davies

- - Son Of Man -




Als wütender Jesus der Arbeiterklasse: Colin Blakely






Colin Blakely spielt einen Arbeiterklasse-Jesus in einem fürs TV entstandenen grimmigen, schwarzweißen Sinnsuche-Drama nach einem Text des Dramatikers Dennis Potter.

Dennis Potters kontroverse Lesart des Lebens Christi, in der Jesus als herzlicher, feuriger, wohlmeinender Zimmermann dargestellt wird, der der Meinung ist, dass die Menschen versuchen sollten, ihre Feinde zu lieben, anstatt ständig zu kämpfen, der aber von Selbstzweifeln geplagt wird, ob er der von der Bevölkerung erwartete Messias ist oder nicht, ist auf Deutsch nie erschienen.






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8.) „Das Gewand (1953)“ – Henry Koster

- The Robe –





Victor Mature, kurz bevor "Das Gewand" Jesu verteilt wird.



Klassischer Hollywood-Monumentalfilm, nach dem Bestseller von Lloyd C. Douglas, mit einem gewissen Tiefgang, und der erste abendfüllende Spielfilm im Cinemascope-Breitwandformat. Ein blutjunger Richard Burton spielt den Hauptmann der die Kreuzigung Jesu leitet, und beim Würfelspiel das Gewand des Messias gewinnt, das er an den Sklaven Demetrius weitergibt. Alptraumhafte Visionen der Kreuzigung treiben ihn später von Rom nach Judäa zurück, um das Gewand, und damit Erlösung, zu finden…..

Oscarnominierter chorischer Soundtrack von Alfred Newman. In weiteren Hauptrollen Jean Simmons, Victor Mature, Michael Rennie und Dean Jagger. Aufwendig und trotz eines gewissen Kitschfaktors sehenswert, wenngleich etwas statisch, da man mit dem Breitwandformat noch nicht vertraut war.










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9.) „Die Passion Christi (2004)“ – Mel Gibson

- The Passion oft he Christ –




Blut und Gekröse:  Jim Caviezel als Mel Gibsons fundamentalistischer Jesus





Eine so eindrucksvolle wie manipulative filmische Schlachtplatte, die weniger auf den Evangelien als auf den 14 Kreuzwegsstationen und v.a. der Schrift „Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi“ der seliggesprochenen Mystikerin Anna Katharina Emmerick aus Dülmen basiert. In dieser an Splatter- und Gore-Effekten reichen, teils sadistisch angehauchten Passionsgeschichte mit Jim Caviezel als Jesus wird dieser zum bloßen König der Schmerzen. Die Finanzierung des Films war in wesentlichen Teilen nur durch US-Evangelikale und Fundamentalisten möglich.


Aramäisch, Hebräisch und Latein mit Untertiteln. Einzelne, tief bewegende Momente täuschen nicht darüber hinweg, dass dieser hocheffektive, technisch brillante Film nur Mache mit zwiespältigem Beigeschmack ist.









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10.) „Die größte Geschichte aller Zeiten (1965)“ – George Stevens sr.

- The Greatest Story Ever Told –




Großer Schauspieler in Breitwand verschenkt: Max von Sydow als Jesus.





Der zweite grosse Hollywood-Bibelfilm über das Leben Jesu, mit völlig anderem Ansatz als „König der Könige“, basierend auf Fulton Ourslers gleichnamigem Buch. Obgleich der große Max von Sydow sich in der Hauptrolle trefflich müht, hat er gegen die exzessive Zurückhaltung und frömmlerische Feierlichkeit der Regie keine Chance. Obschon visuell, zumal auf der Großleinwand absolut sensationell und trotz einer beeindruckenden von Händel und Verdi durchzogenen Filmmusik (Alfred Newman), erschlägt die statische, behäbige Inszenierung in ihrer pietistischen Antiseptik die Handlung.




Enorm schleppend, in Ausschnitten aber sehr eindrucksvoll. Starbesetzung umfasst u.a. José Ferrer, Charlton Heston, Roddy McDowall, John Wayne, Shelley Winters, Claude Rains, Telly Savalas, Dorothy McGuire und mit Sidney Poitier, als Simon von Cyrene, den ersten Schwarzen in einem Jesus-Film.
Gedreht am Grand Canyon und im Monument Valley.









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11.) „Der Messias (1975)“ – Roberto Rossellini

- Il Messia –




Pier Maria Rossi als Jesus in Rossellinis langweiligem Nachklapp.





Roberto Rossellinis letzter, in Tunesien gedrehter, Film behandelt die Evangelien sehr werkgetreu und unaufgeregt, folgt dabei einem ähnlichen Ansatz wie „Die größte Geschichte aller Zeiten“, jedoch ohne dessen Schauwerte. Lange Einstellungen sollen meditative Kraft erzeugen und geben den Schauspielern Raum für Natürlichkeit und Improvisation.

Pier Maria Rossi kann sich mit den besseren Darstellern dieser Figur nicht messen, neben Dafoe, Powell oder Irazoqui verblasst er. Zudem verweigert der Film jede Darstellung von Gewalt, weshalb z.B. der Vollzug der Kreuzigung ausgespart wird. Ein ernsthafter, seriöser Versuch mit formal strengem Konzept, aber für ein nicht-asketisches Publikum- trotz interessantem Soundtrack von Mario Nascimbene- zu reizlos.
















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Samstag, 11. Februar 2023

"Versprechen Sie es? Bei ihrer Seligkeit?": ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (1958)

 





Es ist der letzte Diensttag des kaltherzigen Schweizer Kriminalkommissars Matthäi, der kurz davorsteht einen neuen Posten in Jordanien anzutreten, als er in den Fall um die ermordete achtjährige Gritli Moser gezogen wird: Instinktiv überzeugt, dass der verdächtigte Hausierer Jacquier (Michél Simon) das Kind nur gefunden, aber nicht getötet hat, nimmt er dennoch zunächst die Kinderzeichnung des Opfers nicht ernst, die das kleine Mädchen mit einem Riesen im Wald zeigt. 

Verzweifelt: Hausierer Jacquier (erschütternd: Michel Simon)


Nach dem Selbstmord Jacquiers, den man zum Geständnis trieb, schließt die Kriminalpolizei den Fall Moser ab. Als Matthäi jedoch im Flugzeug plötzlich, in maßlosem Entsetzen, ein bislang mysteriöses Detail aus Gritlis Zeichnung wiedererkennt, keimt in ihm schlagartig ein Verdacht: Was, wenn das Bild eine reale Begegnung mit dem diabolischen Sexualmörder zeigt, einem Mann ganz in schwarz, der das Mädchen später in den Wald gelockt und ermordet hat? Dann müsste Gritli ihrem Mörder mindestens einmal vor der Tat begegnet sein. 

Auf Täterjagd: Kommissar Matthäi (Rühmann) und Polizeipsychologe Manz (Ewald Balser)


Da seine ehemaligen Vorgesetzten den Fall nicht wieder aufnehmen wollen, folgt Matthäi, der der Mutter des Opfers „bei seiner Seligkeit“ versprochen hatte den Mörder ihrer Tochter zu finden, auf eigene Faust der Spur des unheimlichen Kindermörders (Gert Fröbe, in der Rolle die ihm später den Part des „Goldfinger“ einbrachte) der in mehreren Kantonen sein Unwesen treibt, und stellt ihm schließlich eine lebensgefährliche Falle - mit einem lebendigen Köder......



Poetische Gerechtigkeit: Überführt die kleine Gritli mit ihrer Zeichnung
posthum den eigenen Mörder?

 

„Im Jahre 1957 bekam Dürrenmatt von dem Filmproduzenten Lazar Wechsler von der Praesens Film AG in Zürich den Auftrag, ein Filmdrehbuch zu schreiben. Dürrenmatt nahm diesen Auftrag an und schrieb zuerst das Exposé für den Film, dann eine Novelle und schließlich das Drehbuch, aus dem später einer der erfolgreichsten Schweizer Filme überhaupt entstehen sollte. „Das Anliegen der Produzenten des Films war es, die Öffentlichkeit für die zunehmenden Gewalttaten gegen Kinder in dieser Zeit zu sensibilisieren, Eltern zu warnen, ihre Kinder nicht allein durch einsame Straßen und dunkle Orte zu schicken. Dürrenmatt erklärte sich bereit, das Drehbuch für den Film zu schreiben. Heraus kam ein Streifen, der sicherlich als guter Kriminalfilm mit hervorragenden Schauspielern ‚durchgeht’ und auch heute noch sehenswert ist.“[1] Warum sich Friedrich Dürrenmatt entschied, an dem Drehbuch des Films mitzuarbeiten, erklärt er in der Weltwoche vom 18. Januar 1957: „Die Idee, mit jedem Film die Menschheit beglücken zu wollen, lasse man fahren. Wird dies gewagt, liegen die Stoffe auf der Strasse. Die guten Stoffe, denn nur die liegen dort.“[2] Nicht ohne Aufmerksamkeit bleibt auch ein Bericht, den die Zeitschrift Die Tat am 20. Januar 1958 präsentiert: „Im Zusammenhang mit der Aufklärung des Mordes an der 14-jährigen Doris Heidt ist daran zu erinnern, dass im Jahr 1956 ein 16-jähriges Mädchen unter ähnlichen Umständen ums Leben gekommen ist. Der Fall blieb unaufgeklärt.“[3] Im Roman heißt es: „Wir haben mehr als zweihundert Fälle im Kanton im Jahr“[4] und im Film hört man dasselbe.


Das Drehbuch entsteht während einer zweimonatigen Zusammenarbeit von Ladislao Vajda und Friedrich Dürrenmatt. „Dann gewann der Produzent Heinz Rühmann als Hauptdarsteller und der setzte durch, dass Hans Jacoby das Drehbuch nach seinen Wünschen umschrieb.“


 So beschreibt Kateřina Pejchalová in ihrer bemerkenswerten Diplomarbeit (https://is.muni.cz/th/ztv8s/hotova_bakalarka_durrenmatt.doc) die Genese des Films.






Das Ergebnis war ein intensives, atmosphärisch düsteres Meisterwerk des deutschsprachigen Kinos der 50iger Jahre, das auch nach über 60 Jahren noch Gänsehaut garantiert.


 




Geradezu genialisch schlüsselt der Film auf, wie Kommissar Matthäi, wider jede Erwartung, durch eine Kette von Zufällen und kriminalistischer Kombinationsgabe dem geheimnisvollen Mörder auf die Spur kommt. Fröbe und Simon (er spielte auf Deutsch, was er kaum sprach) spielen absolut überragend, Rühmann gibt als eiskalter Ermittler, der sich in seinem eigenen Versprechen fängt und letztlich eine Katharsis erlebt, die beste Leistung seiner Karriere.






Matthäi setzt das Leben der kleinen Annemarie (Anita von Ow) aufs Spiel


 

Die extrem straffe Inszenierung von Ladislao Vajda fasste diesen mitreißenden Thriller stringent in die visuelle Stilistik des Film Noir. Der Schwarzweiß-Film arbeitet, in der impressiven Kameraführung von Heinrich Gärtner (dessen Karriere bereits 1914 begann und später unter anderem „Das Geheimnis des Marcellino“ und „Der Hund der Herr Bozzi hieß“ umfasste) stark und stilisiert mit Licht und Schatten, er sucht die Düsternis und kehrt das Unheilschwangere aus den Schweizer Naturlandschaften hervor, die das grauenvolle Geschehen drohend überschatten.


 

Unerhört im deutschen Film der 50iger: Film Noir Stilistik vom Feinsten



Diese Wirkung wird, verstärkt durch den brillanten dramaturgischen Aufbau, zum hypnotischen Sog, nicht zuletzt, dank der wuchtigen, treibenden Filmmusik von Bruno Canfora: 








Dramaturgisch zerfällt „Es geschah am hellichten Tag“ in drei Teile, die einer perfekten Spannungssteigerung dienen. Dem ersten Teil um die Entdeckung der Leiche des Gritli Moser und die Beschuldigung des Hausierers, dem zweiten in dem Matthäi auf eigene Faust detektivisch beginnt, nach dem „schwarzen Mann“ zu ermitteln, um dem dritten Teil, in dem, teils parallel montiert, der Hintergrund des Kindermörders der Falle gegenübergestellt wird, in die er gehen soll. Erst nach etwa einer Stunde tritt Fröbes Figur erstmals auf und auch dann zunächst nur als stimmgewaltiger Schatten an der Wand, der kein Gesicht hat. Dadurch, dass bis dahin so lange nur unheilschwanger über den geheimnisvollen Mann, den es vielleicht, vielleicht auch nicht, gibt, gesprochen wird, wird diese Figur enorm, fast mythisch überhöht; Fröbes Darstellung ist allerdings, trotz weniger Szenen, so gewaltig, dass sie diesem Vorbau gerecht wird und ihn krönt.


Unvergessliches Porträt einer tragischen Bestie: Gert Fröbe

 

In weiteren Rollen sind Heinrich Gretler, Ewald Balser, Siegfried Lowitz, Sigfrit Steiner und Götz Georges Mutter Berta Drews, unvergesslich als monströse Frau Schrott, zu sehen.

Die bemerkenswert unbefangenen Kinderdarsteller Anita von Ow und Barbara Haller wurden damals über die wahre Natur der Handlung im Unklaren gelassen – ihnen erzählte man, der Film handele von einem bösen Zauberer.

Was in poetischer Dimension betrachtet nicht einmal gelogen war.


Herr Schrott geht wieder "Bummern"....

 

In der wichtigen Rolle der Frau Heller, Mutter der kleinen Annemarie, war ursprünglich die Schweizerin Anneliese Betschart vorgesehen, als Wolfgang Staudte noch Regie führen und Martin Held den Kommissar Matthäi spielen sollte.

Mit Einstieg von Ladislao Vajda als Regisseur, kickte man Betschart aus der Rolle und verpflichtete sie stattdessen für den Kurzauftritt als Schullehrerin und als deutsche Synchronstimme der Heller, die dann von Rosa Maria Salgado gespielt wurde – der damaligen Lebensgefährtin des spanischen Co-Produzenten.

US-Plakat des Klassikers

 



Unter dem Titel „It happened in broad Daylight“ entstand 1960 eine englische Synchronfassung für die USA, in der die Rolle des Psychiaters extra mit Roger Livesey nachgedreht wurde. Diese Fassung wurde von den amerikanischen Rezensenten regelrecht abgeschlachtet und starb in Übersee einen raschen Tod an den Kinokassen.

In Spanien hingegen, wo der Film den damaligen spanischen Filmpreis, Premio Sant Jordi, in den Kategorien Bester Film des Jahres, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Kamera gewann, wurde der Ausnahmekrimi unter dem Titel „El Cebo“ (Der Köder) fast so legendär wie in den deutschsprachigen Ländern – und zu einem Lieblingsfilm des jungen Pedro Almodovár.


 

Spanisches Originalplakat eines Ausnahme-Thrillers



Bahnbrechend war „Es geschah am helllichten Tag“ , der im Juli 1959, also vor 64 Jahren, Premiere in der Schweiz feierte, für seine Zeit nicht nur thematisch und stilistisch, sondern weil er in der Abhandlung dieses Themas weit über seine Zeit hinausweist – ein moralisch mehr als abgründiger Ermittler, ein psychologisch exakt gezeichneter Serienmörder, ein Tätertypus für den es 1958 noch gar keine Bezeichnung gab, ein `Profiler´ bei der Arbeit, die es damals ebenso offiziell noch gar nicht gab (auch wenn psychologisch mittlerweile Vieles aus dem Film überholt ist und sich durchaus sexistische Klischees finden).


Das erste Täterprofil der Filmgeschichte



Italienisches Plakat. Dort hieß der Film "Das Monster von Mägendorf"

 

Es handelt sich um die wohl erste Mördersuche anhand eines Täterprofils in der Geschichte des Kriminalfilms. Hier wird visionär eine Grundlage gelegt, die spätere Werke, mal wissend, mal unwissend, wieder aufgriffen.

Vor allem aber ist „Es geschah am hellichten Tag“ ein Film, der, damals radikal, mit dem klassischen Gut-und-Böse-Schema bricht und letztlich von einer heilen Welt erzählt, die ihre Unschuld verliert.


Henzi (Siegfried Lowitz) und Matthäi (Rühmann) verhindern einen Lynchmord der Bauern



Schokoladenbildchen aus unbekannter Hand. Der des Serienmörders?


 

Kein Wunder: Es handelte sich bei der deutsch-schweizerisch-spanischen Produktion um die Verfilmung eines Originaldrehbuchs von Friedrich Dürrenmatt, das, wie erwähnt, vor der damals erst neu erkannten Gefahr von Sittlichkeitsverbrechen an Kindern warnen sollte. Für Deutschland co-produzierte ungenannt Legende Artur Brauner.

Dürrenmatt, der Hans Jacoby als Co-Autor zur Seite gestellt bekam, lieferte ein Skript auf Simenon-Niveau, mit kargen, rasiermesserscharf geschliffenen Dialogen – aber er hasste den Filmtitel (er wollte entweder „Schrott geht bummern“ oder „Gott schlief am Vormittag“), sowie den Schluss und überhaupt das Filmmedium und distanzierte sich später.






 

Auf der Grundlage seiner eigenen Vorstellungen zum Stoff schrieb er später den Roman „Das Versprechen“ ,der dieselbe Geschichte deutlich geändert erzählt, mit dem Untertitel „Requiem auf den Kriminalroman“, eine Gattung die Dürrenmatt als Literat gleichfalls verachtete.

Dieser Roman wurde 1979 als „La Promessa“ in Italien, 1990 als „Szürkület“von György Feher in Ungarn, 1996 als „Tod im kalten Morgenlicht“ mit Richard L. Grant für die Niederlande und 2001 in den USA als „Das Versprechen“ von Sean Penn, mit Jack Nicholson in der Rühmann-Rolle neu verfilmt.









 



Als „Es geschah am helllichten Tag“ inszenierte Nico Hofmann nach einem Drehbuch von Bernd Eichinger 1997 ein erstaunlich gutes TV-Remake des Kinofilms mit Joachim Krol und Axel Milberg fürs deutsche Fernsehen.


 




Hier findet sich ein Hintergrundbericht über die Dreharbeiten zum Original, geschildert im Rückblick teils durch Zeitzeugen:

https://www.nzz.ch/die_tankstelle_war_ein_bauernhof-1.797630

Ein ganz besonders reichhaltiges und toll bebildertes Porträt des Filmes findet sich hier (Wer den Film noch n i c h t kennen sollte, sollte unbedingt über die Inhaltsangabe hinweg scrollen), auf der Seite finden sich neben den vollständigsten Angaben zum Produktionsstab die verfügbar sind, nie gesehenen Backstage und Promo-Fotos, Plakaten in mehreren Sprachen und den detaillierten Erinnerungen des damaligen Produktionsassistenten, auch als Download die Scans von Produktionsnotizen und des kompletten (!) Drehbuchs von 1958, gehalten in einem nicht mehr gebräuchlichen Drehbuchformat:

http://www.cyranos.ch/sfegah-d.htm







Fazit:

Meisterhafter psychologischer Thriller, mit literarischem Anspruch, um die Jagd nach dem sprichwörtlichen schwarzen Mann, der dank superber Darstellerleistungen auch heute noch fesselt.







 

 




Sonntag, 5. Februar 2023

"ZWEI WELTEN (1988)" - NKOSI SIKELEL' IAFRIKA

 





`A World Apart´ ist der Film der `Schrei nach Freiheit´ hätte sein sollen. Der beste Film zum Südafrika-Thema und mit Abstand einer der besten Filme des Jahres"

Roger Ebert, Kritikerlegende 1988.









Das Jahr ist 1963, der Welthit des Jahres ist Chubby Checkers "Let's Twist Again", das Land ist Südafrika, ein Südafrika, dass von einer weißen Minderheit regiert wird. Das ultrarassistische Apartheidsregime unterdrückt brutal alle schwarzen Menschen.

 

Linda Mvusi als Elzie in "Zwei Welten"

 

Unbeschwert: Die 13-jährige Molly (Jodhi May) im Südafrika von 1963


Diana Roth (Barbara Hershey) , eine politisch linke Journalistin, und ihr Ehemann Gus Roth (Jeroén Krabbé) bekämpfen als Weiße aus Überzeugung die menschenverachtende Diktatur.
Als Gus, von der Geheimpolizei gesucht, über Nacht untertauchen muss, bleibt Diana mit ihren drei Kindern, deren älteste , die 12-jährige Molly (Jodhi May in ihrem Filmdebüt) , sich von ihrer Mutter ständig ausgeschlossen fühlt, allein zurück , kämpft dennoch weiter gegen die Regierung.
Dann wird Diana als erste Frau nach dem berüchtigten "90 Tage Gesetz" verhaftet, dass es erlaubt Menschen ohne Anklage oder Ermittlung 90 Tage zu arretieren und verhören.


 

Diana Roth (Barbara Hershey) kommt in Haft bei der gefürchteten Special Branch

Die Kinder bleiben allein mit der Großmutter zurück verlieren alle sozialen Kontakte: Eine extreme menschliche Zerreißprobe - doch mit Hilfe der schwarzen Haushälterin Elzie (Filmdebüt der aus Südafrika geflohenen studierten Architektin Linda Mvusi) beginnt Molly allmählich zu verstehen....

 

Molly mit bester Freundin und erstem Sekt...





Hier der Trailer:






Und hier einige weitere Ausschnitte:






Das brillante Regiedebüt des oscargekrönten Kameramanns Chris Menges ("The Killing Fields", "The Mission") erzählt die Geschichte völlig aus der Perspektive der 12-jährigen Molly, gespielt von Jodhi May, die hier Debüt gab und über keinerlei Schauspielerfahrung verfügte.


Chris Menges (links von ihm Drehbuchautorin Shawn Slovo) inszeniert.




Chris Menges mit Jodhi May am Set.






Das Drehbuch stammte von Shawn Slovo, einer aus Südafrika stammenden Autorin, die hier die Geschichte ihrer eigenen Kindheit und ihrer Mutter erzählt und sich im Film als "Molly" verewigt hat. Um einige der Beteiligten vor dem 1987 noch herrschenden Regime zu schützen, gab sie den Figuren andere Namen, so auch ihrer Mutter die in Wirklichkeit Ruth First hieß, und von der südafrikanischen Regierung später, 1982, im Londoner Exil mit einer Briefbombe ermordet wurde.


Ruth First, die echte Diana Roth, mit ihrem Ehemann Joe Slovo
und ihren Kindern. Vorne rechts Shawn Slovo, die Vorlage für Molly
und Autorin von "Zwei Welten"




Shawn Slovo als Kind im Südafrika von 1963




Ruth First mit schwarzer Journalistenkollegin.





Ruth First in der Haft der Special Branch


 
 

Der in Simbabwe mit wenig Geld gedrehte, von Peter Biziou (Oscar für "Mississippi Burnng", 1988)exquisit photographierte Film überzeugt viel mehr als eine Hollywood Großproduktion, da er den Stoff ohne Bombast eröffnet und sich an einem authentischen, sehr persönlichen Blickwinkel orientiert. Er war 1988 ein Kritikerhit.







Siehe auch hier die zeitgenössische Filmbesprechung der legendären Kritiker Gene Siskel und Roger Ebert in ihrer Sendung "Siskel & Ebert" (ab 4:55 min.)







Ausführlicher wurde Ebert in der Chicago Sun Times: https://www.rogerebert.com/reviews/a-world-apart-1988



"In gewisser Weise liegt hier eine Ironie vor. Warum sollte es uns interessieren, dass eine 13-Jährige nicht zu Schwimmfesten eingeladen wird, wenn Millionen von schwarzen Südafrikanern elementare Bürgerrechte vorenthalten werden? Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, ist "A World Apart" stärker, weil er sich mit den kleinen Details eines bestimmten Lebens befasst. Im Gegensatz zu "Cry Freedom", der auf einer so großen Leinwand gemalt wurde, dass die Subtilität verloren ging, geht es in "A World Apart" um die konkreten Auswirkungen eines Rechtssystems, in dem die Rechte eines Menschen von seiner Ethnie abhängen, auf das Leben des Einzelnen.


Ruth First (Barbara Hershey) darf ihre Kinder sehen.

 

Ich habe 1965 ein Jahr in Südafrika verbracht, an der Universität von Kapstadt, und es hat mich oft gestört, dass so viele fiktionale Darstellungen des Landes nicht in der Lage zu sein scheinen, zu vermitteln, wie es ist, dort zu leben. Für die meisten Menschen aller Ethnien in Südafrika verlaufen die meisten Tage ziemlich routinemäßig und sind den verschiedenen Aktivitäten in Familie und Beruf gewidmet, die überall die Grundlage des Lebens bilden. Das Land ist kein ständiges politisches Passionsspiel. Es ist möglich, in eine brauchbare, sogar bequeme Routine zu verfallen. Indem "A World Apart" die ruhige Oberfläche des Alltagslebens zeigt, kann er dramatisieren, wie dicht unter dieser Oberfläche der Polizeistaat sitzt. Für diejenigen, die nicht aufmucken, kann Südafrika ein sehr angenehmer Ort zum Leben sein.


 

Like mother, like daughter.


Diana Roth muckt auf und durch die Augen ihrer Tochter sehen wir das Ergebnis dieser Aktion. In der Rolle von Hershey ist Roth keine ideale Mutter, obwohl sie eine pflichtbewusste Mutter ist. Sie hat eine gewisse Härte in sich, eine Wut, die sich auf Ungerechtigkeit konzentriert und manchmal die Bedürfnisse ihrer Familie gegenüber den scheinbar dringlicheren Bedürfnissen der Gesellschaft übersieht. Dies ist eine weitere gute, starke Leistung von Hershey, die sich in den letzten Jahren zu einer unserer besten Schauspielerinnen entwickelt hat.


 

Nominiert für den Britischen Filmpreis als Bester Nebendarsteller: Der legendäre TV-Hercule
Poirot und Shakespeare Mime David Suchet als sadistisch-ambivalenter Verhöroffizier

May als junge Molly ist ebenso beeindruckend, und in vielerlei Hinsicht ist dies ihr Film. Das Drehbuch (von Shawn Slovo, basierend auf ihren eigenen Erinnerungen) gibt May viel Spielraum, aber die Art und Weise, wie ihre Augen Schmerz und Ablehnung ausdrücken, ist ganz ihre eigene."


Die braunsten, größten Augen der Welt: Jodhi May




Ein Mädchen gegen den südafrikanischen Geheimdienst - Kindermund tut Wahrheit kund....




Der Soundtrack stellt eine frühe und gelungene Arbeit von Hans Zimmer dar, und beinhaltet auch das berühmte afrikanische Volkslied "Nkosi sikelel iAfrika" das '87 noch ein verbotener Kampfsong des ANC war, und heute Teil der südafrikanischen Nationalhymne ist. Durch "A World Apart" wurde das atemberaubend schöne Lied erstmals in der westlichen Welt bekannt.



Siehe hier:




"A World Apart", ein außergewöhnlich feinfühliges, sensibles, sehr bewegendes Drama mit außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen, gewann den Großen Preis der Jury und den Preis der ökumenischen Filmkritik in Cannes 1988, sowie den Preis für die beste Schauspielerin den die Jury gleich dreimal an alle 3 Hauptdarstellerinnen des Films vergab:

An Barbara Hershey für ihre elektrisierende Darstellung der Diana Roth, an die damals 13 jährige Jodhi May für die Rolle der Molly und an Linda Mvusi (studierte Architektin) für die Rolle der Elzie , in ihrem ersten und einzigen Film. Siehe hier der Clip (die Person die Jodhi May auf die Bühne geleitet ist Shawn Slovo):






Der Gewinn Hersheys ist dabei besonders bemerkenswert da Hershey erst im Jahr zuvor für "Shy People" den Darstellerpreis erhalten hatte, so dass eine erneute Auszeichnung als fast unmöglich galt.

Der Film erhielt darüber hinaus den Preis der New Yorker Filmkritiker für die beste Regie, den besten Film des Jahres und Nebendarstellerin Jodhi May. Beim London Evening Standard Film Award wurde Jodhi May als beste Newcomerin ausgezeichnet. Shawn Slovos Drehbuch erhielt den Britischen Filmpreis (BAFTA).


Shawn Slovo heute.









Die schon hier überragend spielende May (sie trägt den Film über weite Strecken), die schon mit 12 die braunsten, größten Augen der Welt hatte, und sich mittlerweile zu einer ungeheuer schönen Frau entwickelt hat, war seitdem niemals ohne Engagement und verfügt über einen Universiätsabschluss in Englisch (Oxford).


Jodhi May heute




Sie brillierte auf der Bühne, im Fernsehen und Film (so u.a, in "Der letzte Mohikaner" 1992 und in "Sister My sister" 1994 - einem Film über den realen Fall, der "Die Zofen" inspirierte) und gewann auch später mehrere Filmpreise.


Hier ein damaliges Interview mit der Newcomerin:






Hochinteressant auch hier dieses zeitgenössische Interview mit Elzie-Darstellerin Linda Mvusi:





Jodhi May als Molly mit Jeroen Krabbé als ihrem Vater Gus Roth,
inspiriert vom echten Joe Slovo






Joe Slovo (rechts) die reale Vorlage für Gus Roth, mit seinem Freund und  Mit-Aktivisten 
Nelson Mandela